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Früherer UN-Generalsekretär : Kofi Annan ist tot

Der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi ist nach kurzer Krankheit im Alter von 80 Jahren gestorben. Sein Nachfolger würdigt ihn als "Vorreiter für das Gute".

Der frühere UN-Generalskretär Kofi Annan im Europäischen Hauptquartier der UN in Genf.
Der frühere UN-Generalskretär Kofi Annan im Europäischen Hauptquartier der UN in Genf.Foto: Martial Trezzini/dpa

Der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan ist tot. Annan starb nach kurzer Krankheit am Samstag im Alter von 80 Jahren, wie seine Stiftung in Genf mitteilte. Als erster Politiker aus dem südlichen Teil Afrikas führte der Ghanaer die Vereinten Nationen von 1997 bis 2007. 2001 wurde er mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. In seinen zehn Jahren an der Spitze der Vereinten Nationen galt Annan als das moralische Gewissen der Welt. Er setzte sich mit Charisma und diplomatischem Geschick für Arme und Unterdrückte ein, warb für Frieden und Gerechtigkeit und bot den USA im Streit um den Irakkrieg die Stirn.

Seine Frau Nane und die Kinder Ama, Kojo und Nina haben die letzten Tage an seiner Seite verbracht. Er habe „während seines gesamten Lebens für eine gerechtere und friedlichere Welt“ gekämpft, heißt es in der Mitteilung der Stiftung.

"Werte der UN-Charta mit Leben gefüllt"

Annan sei ein "Vorreiter für das Gute" gewesen, erklärte sein Nachfolger António Guterres. „In diesen turbulenten und schwierigen Zeiten hat er immer weiter daran gearbeitet, die Werte der UN-Charta mit Leben zu erfüllen.“ Sein Vermächtnis werde eine wahrhafte Inspiration für alle bleiben.

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Seid Ra'ad al-Hussein, lobte Annan als Inbegriff menschlichen Anstands und Würde. „In einer Welt voller Anführer, die weder das eine noch das andere repräsentieren, wird der Verlust für die Welt nur noch schmerzlicher.“

Auch Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron würdigte die Lebensleistung Annans. „Wir werden weder seinen ruhigen und entschlossenen Blick noch die Kraft seiner Kämpfe vergessen“, teilte Macron am Samstag auf Twitter mit.
Von 1997 bis Dezember 2006 leitete der gelernte Volks- und Betriebswirt aus Ghana das UN-Hauptquartier am New Yorker East River.

Kofi bedeutet "Freitag"

In seine Amtszeit als oberster UN-Diplomat fielen die Terroranschläge des 11. September 2001 in den USA, die Kriege in Afghanistan, im Irak und im Sudan sowie viele weitere lokale Konflikte in Afrika, Zentralasien und dem Nahen Osten. Die angestrebte Reform der Vereinten Nationen blieb in Ansätzen stecken.

Der Häuptlingssohn wurde am 8. April 1938 in Kumasi an der Goldküste geboren. In der Sprache seines Fante-Stamms im Westen Ghanas bedeutet Kofi „Freitag“. Rund ein halbes Jahrhundert stand Annan im Dienst der Vereinten Nationen. Seit 1962 führten ihn seine Tätigkeiten unter anderem nach Addis Abeba, Kairo und Genf.

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Früherer UN-Generalsekretär Kofi Annan gestorben
Früherer UN-Generalsekretär Kofi Annan gestorben

Zwei Dutzend Ehrendoktortitel

Die irakische Besetzung Kuwaits 1990 und die Massaker an Zivilisten im Bosnien-Konflikt waren diplomatische Feuertaufen für das höchste Amt als UN-Friedenswahrer. 1994 erlebte er als mitzuständiger UN-Diplomat beim Völkermord in Ostafrika seine bitterste Stunde. Das Versagen der Vereinten Nationen in Ruanda nahm er auch persönlich auf seine Kappe.

Seine Auszeichnungen und Ehrungen sind Legion, darunter zwei Dutzend Ehrendoktortitel von vier Kontinenten, der Sacharow-Preis des EU-Parlaments (2003), der Orden des Fürsten Jaroslaw des Weisen (2002) sowie zahlreiche Menschenrechts- und Friedenspreise. Die englische Königin Elizabeth II. schlug ihn 2007 ehrenhalber zum Ritter.

Annan war Gründungsmitglied der „Global Elders“, einer Gruppe von Persönlichkeiten mit dem Ziel, zur Bewältigung globaler Krisen beizutragen. Er war Gründer und Präsident des Global Humanitarian Forum mit Sitz in Genf. Von März bis August 2012 als Vermittler im Syrien-Krieg war er Sondergesandter der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga für den Syrien-Konflikt.

Bis zuletzt war Annan ein gefragter Redner und Troubleshooter. In einem Interview Anfang 2018 äußerte er sich besorgt über neue globale Fragen wie den Verfall der demokratischen Diskussionskultur durch die Sozialen Medien, den Vormarsch von künstlicher Intelligenz und digitaler Überwachung sowie Bedrohungen des Multilateralismus. (KNA, AFP, Reuters)

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