Politik : G-8-Umweltminister setzen sich für Artenschutz ein

Dagmar Dehmer[Berlin] Ingrid Müller[Pots]

Beim G-8-Ministertreffen in Potsdam hat Umweltminister Sigmar Gabriel am ersten Tag einen Erfolg erzielt. Die sieben wichtigsten Industrienationen und Russland (G 8) und die fünf wichtigsten Schwellenländer (G 5) haben Gabriels Vorschläge zum Schutz der Artenvielfalt einstimmig unterstützt.

Es soll eine Studie geben, die den wirtschaftlichen Nutzen der Biodiversität dem Schaden ihres Verlustes gegenüberstellt. Einen Autor gibt es nach Gabriels Auskunft noch nicht. Er könne sich aber vorstellen, dass er aus einem Entwicklungsland komme, sagte er. Zudem soll ein internationales Wissenschaftlergremium geschaffen werden, das die Politik berät. Gabriel hofft, dass der geplante „Imoseb“ ebenso viel Autorität gewinnen wird wie der UN-Klimabeirat IPCC. Zudem soll eine Datenbank für alle – vor allem Entwicklungsländer – zugänglich gemacht werden, in der sämtliche Informationen über die bekannten Arten bis hin zu entschlüsselten Gensequenzen frei zugänglich sein sollen. So soll der Artenschutz den Ländern mit der größten Artenvielfalt, vor allem in den Tropen, auch wirtschaftlichen Nutzen bringen.

Vor Konferenzbeginn war ein Treffen mit der „Zivilgesellschaft“, sprich 20 Umweltverbänden, geplant. Allerdings kamen nur der Chef des UN-Umweltprogramms, Achim Steiner und Gabriel. Alle anderen Minister blieben weg oder schickten Vertreter aus der dritten Reihe. Zwar nannten Tobias Münchmeyer von Greenpeace und Regine Günther vom WWF die Runde „freundschaftlich“. Günther fand es aber „schade, dass nicht mehr Minister da waren“.

Begonnen hatte die Konferenz am Vorabend mit einem Galadiner hinter der Schlangengrube der Biosphäre in Potsdam. Bis gegen Mitternacht diskutierten Minister und Gäste bei Brandenburger Landentenbrust in der Tropenwelt über die Stabilität der großen Koalition („Am Kabinettstisch sitzen für die SPD acht Minister, aber eigentlich sind wir neun, denn Frau Merkel ist auf unserer Seite.“) wie den Emissionshandel. Der neue japanische Umweltminister eilte sofort zu einem chinesischen Kollegen. Er selbst sei in China geboren, fahre jedes Jahr einmal dorthin, erklärte seine Dolmetscherin. Vielleicht kann Wakabayashi Masatoshi ja helfen, die Chinesen beim Kyoto-Folgeabkommen ab 2012 auf der Seite derjenigen einzubinden, die sich zur Senkung ihrer Emissionen verpflichten.

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