• Gedenktag für Sinti und Roma: Europa-Staatsminister Roth bemängelt deutsche Erinnerungskultur

Gedenktag für Sinti und Roma : Europa-Staatsminister Roth bemängelt deutsche Erinnerungskultur

Am Sonntag wird an die Ermordung von Sinti und Roma während des Nationalsozialismus erinnert. Staatsminister Roth findet den Wissensstand dazu „beschämend".

Der Europa-Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth.
Der Europa-Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth.Foto: imago images/photothek

Anlässlich des Europäischen Holocaust-Gedenktages für Sinti und Roma an diesem Sonntag hat der Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, Michael Roth (SPD), Mängel in der deutschen Erinnerungskultur beklagt. „Es ist nach wie vor beschämend, dass wir in Deutschland viel zu wenig darüber wissen, was wir den Sinti und Roma während des Nationalsozialismus angetan haben“, sagte Roth dem Tagesspiegel am Sonntag. „Es ist uns in den vergangenen Jahrzehnten zu wenig gelungen, deutlich zu machen, dass auch Sinti und Roma unter dem nationalsozialistischen Terror gelitten haben.“

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Am Gedenktag wird an die rund 500.000 ermordeten Sinti und Roma in dem von Nationalsozialisten besetzten Europa erinnert. Am 2. August 1944 wurden die letzten Sinti und Roma in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau ermordet.

Zur Gedenkfeier in Auschwitz wird unter anderem der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, erwartet. Die Zeremonie findet Corona-bedingt in erster Linie virtuell statt. Einen Ort des Gedenkens in Berlin stellt das Mahnmal für die ermordeten Sinti und Roma im Tiergarten dar. Wegen des geplanten Tunnels für die City-S-Bahn 21 war zwischenzeitlich die Befürchtung laut geworden, dass das Denkmal vorübergehend abgebaut oder gesperrt werden muss. „Es darf nichts geschehen, ohne dass die Vertreterinnen und Vertreter der Roma-Gemeinschaft dem zustimmen“, sagte Europa-Staatsminister Roth dazu. „Das Denkmal ist ein ganz besonderer Ort, der den vielen vergessenen Opfern des Völkermords an den Sinti und Roma ihre Würde zurückzugeben versucht.“

Roma und Sinti leiden unter der Pandemie

Angesichts der Corona-Krise sagte Roth, dass unter der Pandemie besonders vulnerable Gruppen litten, zu denen die Sinti und Roma als größte ethnische Minderheit in Europa gehören. „Dazu kommt, dass Sinti und Roma leider den üblichen Stereotypen und Klischees ausgesetzt sind.“ Der Staatsminister wies darauf hin, dass die EU-Kommission im Oktober während des deutschen EU-Vorsitzes die neue Rahmenstrategie für die gleichberechtigte Teilhabe und die Bekämpfung von Antiziganismus für die Zeit von 2021 bis 2030 vorlegen will. „Sinti und Roma haben nach wie vor zu wenig Zugang zu Bildung, Wohnen, Gesundheitsvorsorge, gut bezahlter Arbeit und sozialer Teilhabe“, sagte der SPD-Politiker. 

Hüttenlager in Frankreich werden erneut geräumt

In Frankreich führt derweil das Ende des Corona-Notstands dazu, dass vermehrt wieder Hüttenlager von Sinti und Roma geräumt werden. Die Ausgangsbeschränkungen hatten dazu geführt, dass die Behörden Räumungen zwischenzeitlich ausgesetzt hatten. Bereits im vergangenen Monat wurden aber erneut Camps mit mehr als 400 Personen geräumt. Hilfsorganisationen warnten davor, dass im August fast 2000 Personen, überwiegend Sinti und Roma, von weiteren Räumungen betroffen sein könnten. In einem Brief an mehrere Minister machte ein Bündnis von Hilfsorganisationen darauf aufmerksam, dass damit die in den Hüttenlagern notdürftig sichergestellte medizinische Versorgung wieder ganz zunichte gemacht werde.  

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