Geisel-Video : Tränen einer deutschen Mutter

Das Video, das die Entführer der beiden Deutschen im Irak veröffentlichten, ist nicht nur als schockierende Botschaft an die Bundesregierung inszeniert, die Angst machen soll. Es ist herzzerreißend.

Kairo - Die Szenerie ist altbekannt: Ausländer, die im Irak verschleppt werden, sitzen in demütiger Haltung auf dem Boden - hinter ihnen stehen bewaffnete Männer, die Gesichter verhüllt, in drohender Pose. "Lassen Sie uns nicht hier sitzen, wir sind doch auch Deutsche", fleht Hannelore K. (61). Auf ihrem grau-blonden Haar trägt sie ein Kopftuch. Sie weint und spricht mit hoher, dünner Stimme. Neben ihr kauert, mit gesenktem Blick, ihr Sohn. Der junge Mann mit dem schwarzen Bart hält die Hand der Mutter ganz fest. Als Hannelore K. sagt, "mein Sohn ist erst seit zwei Monaten verheiratet, seine Frau ist vielleicht schon in anderen Umständen", kann auch er die Tränen nicht mehr zurückhalten.

Aus der Wortwahl der Geisel lässt sich klar erkennen, dass die Entführer der Frau, die mit einem Iraker verheiratet ist und schon seit Jahrzehnten in Bagdad lebt, vorgeschrieben haben, was sie sagen soll. "Ich habe mich damals so gefreut, als Sie Kanzlerin wurden, aber Sie haben mir bisher gar nicht geholfen", sagt sie an die Adresse von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Hannelore K. fleht: "Gehen Sie auf die Forderungen ein - irgendwie."

Professionell auftretende Entführer

Die Entführer-Gruppe, die sich "Brigaden der Pfeile der Rechtschaffenheit" nennt, ist bisher noch nicht in Erscheinung getreten. Ihr achtminütiges Video haben die Geiselnehmer aber sehr professionell aufgenommen. Es beginnt mit einer Koranrezitation, darauf folgen Aufnahmen des Reisepasses von Hannelore K., die so gestochen scharf sind, dass man ohne Mühe die Passnummer lesen kann. Unterlegt sind die Bilder mit Geräuschen, die an Schüsse erinnern. Dann ist der Appell der Geisel zu hören, der gleichzeitig schriftlich in arabischer Übersetzung widergegeben wird. Anschließend verliest einer der Entführer mit kalter Stimme die Forderung der Gruppe an die Regierung der "deutschen Tyrannen".

"Der Gläubige ist der Bruder des Gläubigen", sagt er, um zu erklären, weshalb sie Deutsche entführt haben, obwohl sich die Bundesrepublik nicht an der amerikanisch-britischen Invasion im Jahr 2003 im Irak beteiligt hatte. Seine Gruppe wolle mit der Geiselnahme den Abzug der Bundeswehrsoldaten aus dem islamischen Afghanistan erzwingen, sagt er. Fast wirkt es, als fände er seine eigenen Argumente nicht wirklich überzeugend. Die Theorie, die Kidnapper wollten mit ihrer politischen Forderung nur Druck machen, um später möglicherweise mehr Lösegeld zu kassieren, sollte man daher nach Einschätzung von Beobachtern in der Region nicht völlig vernachlässigen. (Von Anne-Beatrice Clasmann, dpa)

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