Geiselnahme im Irak : Angehörige appellieren an Entführer

Fünfeinhalb Wochen nach der Entführung der Deutschen Hannelore Krause und deren Sohn Sinan im Irak haben sich deren Angehörige in einer Videobotschaft an die Geiselnehmer gewandt.

Mainz - "Lasst meine Ehefrau und meinen Sohn frei!", sagte Mohamed al Tornachi, der Ehemann der entführten Deutschen Hannelore Krause, in einer vom ZDF verbreiteten Übersetzung des Videos, das nach Angaben des Senders am gleichen Tag in arabischer Sprache aufgenommen wurde. Gemeinsam mit Tornachi äußerte sich in dem vom ZDF verbreiteten Video auch die frisch vermählte Braut Sinans. "Ich bin eine junge Braut (...) und ich hoffe, dass er so schnell wie möglich zu mir zurückkommt."

Am Mittwoch hatte Bundespräsident Horst Köhler an die Entführer appelliert, ihre beiden Geiseln umgehend freizulassen. Hannelore Krause und ihr Sohn Sinan wurden Anfang Februar im Irak verschleppt. "Wir sind Gott dankbar, dass sie noch am Leben sind", sagte Tornachi unter Bezug auf das am Wochenende aufgetauchte Video von den Geiseln. "Bitte behandelt meine Frau und meinen Sohn weiterhin mit Respekt und Ehre", fügte Tornachi an die Adresse der Entführergruppe der so genannten Brigaden der Pfeile der Wahrheit hinzu. "Seid gnädig - der Islam ist eine Religion des Friedens und der Barmherzigkeit."

Seine Frau nennt Tornachi auf dem Video "Um Mazin". Er erklärt an die Geiselnehmer gewandt, sie sei vor 40 Jahren "aus Liebe zur Familie und zur arabischen Kultur aus Deutschland in den Irak gekommen". Sinan sei, wie seine beiden Geschwister, in Bagdad zur Welt gekommen und groß geworden. "Wir sind eine Familie, die keinen Einfluss auf politische Entscheidungen hat", betont Tornachi offenbar unter Bezug auf Hinweise der vergangenen Tage, nach denen die Entführung nicht zur Lösegeld-Erpressung, sondern aus politischen Motiven erfolgte.

Entführer drohten mit Hinrichtung der Geiseln

In dem am Samstag veröffentlichten Video hatten die Entführer mit der Hinrichtung der beiden Geiseln gedroht, falls Deutschland nicht rasch seine Truppen aus Afghanistan abziehe. Die Bundesregierung habe zehn Tage Zeit, um den Rückzug der Bundeswehr einzuleiten, hieß es in dem auf einer islamistischen Internetseite veröffentlichten Video der Gruppe Kataeb Siham al Hak. Auf dem Video sind außer drei vermummten, zum Teil bewaffneten Männern auch die beiden deutschen Geiseln zu sehen.

Die Frau fleht darin Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an, ihr Leben zu retten. "Diese Leute wollen meinen Sohn vor meinen Augen töten und dann mich umbringen, wenn die deutschen Truppen nicht aus Afghanistan abgezogen werden", sagte sie. Die Entführer zeigen den deutschen Pass der Frau, Name und Foto sind deutlich zu erkennen.

Deutschland ist mit gut 3000 Soldaten der drittgrößte Truppensteller der internationalen Afghanistan-Truppe Isaf. Am Freitag vergangener Woche hatte der Bundestag die Entsendung deutscher Aufklärungs-Tornados nach Afghanistan beschlossen.

Es handelt sich um die dritte Geiselnahme von Deutschen im Irak. Zuletzt hatte der Fall der im Irak entführten Techniker René Bräunlich und Thomas Nitzschke für Aufsehen gesorgt, die im Januar 2006 im Irak verschleppt worden waren und nach mehr als drei Monaten befreit wurden. Im November 2005 wurde die Archäologin Susanne Osthoff im Nordirak entführt und nach mehr als dreiwöchiger Geiselhaft freigelassen. (tso/ddp/AFP)

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