Gesellschaftsspiele : Tipps für Groß und Klein: Keramik, Kunst und Kettensäge

"Azul" ist als "Spiel des Jahres" ausgezeichnet worden. Und was macht noch Spaß? Einige Empfehlungen.

Spielerentwickler Michael Kiesling hat mit "AZUL"das "Spiel des Jahres 2018" entwickelt. Bei einer Feier wurde der gelernte Diplomingenieur ausgezeichnet.
Spielerentwickler Michael Kiesling hat mit "AZUL"das "Spiel des Jahres 2018" entwickelt. Bei einer Feier wurde der gelernte...Foto: dpa/Paul Zinken

Die Straße zum Sieg war in diesem Jahr frisch gefliest: Das taktische Legespiel „Azul“ von Michael Kiesling ist „Spiel des Jahres 2018“. Die Spieler verschönern einen portugiesischen Palast mit den traditionellen Keramikfliesen namens Azulejos. Mal brauchen sie viele Fliesen einer Sorte, dann wieder wenige zur Erweiterung des Musters. Wer schlecht plant, büßt Punkte ein.

Die Entscheidung der Jury wurde am Montag in Berlin bekanntgegeben. „Azul“, in Deutschland von Pegasus Spiele vertrieben, kann von zwei bis vier Spielern ab acht Jahren gespielt werden. Für die Ehrung als „Spiel des Jahres“ gibt es kein Preisgeld – das ist angesichts der Werbewirkung aber auch nicht nötig. Die Jury lobte die „fast schon nüchterne Funktionalität des Spielbretts“. Sie stelle einen gelungenen Kontrast zur „wunderbaren Ästhetik“ des entstehenden Mosaiks dar.

Als „Kennerspiel des Jahres“ ausgezeichnet wurde „Die Quacksalber von Quedlinburg“ von Wolfgang Warsch (Schmidt Spiele). Zwei bis vier Spieler brauen aus ungewöhnlichen Zutaten immer wieder neue Tränke. Die meisten Zutaten bringen positive Effekte, bei einigen ist allerdings Vorsicht geboten. Einen Sonderpreis erhielt „Pandemic Legacy – Season 2“, in Deutschland vertrieben von Asmodee. Bei dem komplexen kooperativen Wettbewerb geht es darum, die weltweiten Folgen einer Seuche in den Griff zu bekommen.

"AZUL" heißt das "Spiel des Jahres 2018
"AZUL" heißt das "Spiel des Jahres 2018Foto: dpa/Paul Zinken

Ist denn im Spieleschrank überhaupt noch Platz für Neuzugänge? Na klar, ein bisschen umstapeln lässt sich immer. Und dabei taucht plötzlich das eine oder andere Lieblingsspiel wieder auf. Hier kommen ein paar ganz persönliche Empfehlungen für alle, die aus aktuellem Anlass in Spiellaune sind.

FÜR RASANTE TECHNIKER

Geradeaus geht’s in den Abgrund, links ist eine Laserfalle und rechts eine Wand. Wie soll der Roboter da nur herauskommen? Schnell umdrehen und irgendwie die Sackgasse verlassen. Doch da kommt ein anderer Roboter angefahren, er rempelt – oh nein, da ist der Abgruuuuuu... Ein wahnwitziges Wettrennen durch eine Fabrik voller Förderbänder, Drehscheiben und Pressen müssen die Roboter der „Robo Rally“ bestehen. Die Züge müssen für einige Runden im voraus geplant werden. Das ließe sich ja noch bewerkstelligen, wären nicht ständig die Roboter der Mitspieler im Weg. Ein fantastischer Klassiker für alle, die ihrem Sitznachbarn gerne mal den finalen Schubser versetzen wollen (Avalon Hill, um 34 Euro).

FÜR DETEKTIVE

Was manche Gelegenheitsspieler an „Cluedo“, dem wahrhaft sterbenslangweiligen Detektivspiel, finden, ist schlicht mysteriös. Die erfreuliche und nur auf den ersten Blick ähnliche Alternative: „Kill Doktor Lucky“. Da geht es, genau, ums Abmurksen besagten Doktors. Mit dem Schirmständer, Rattengift, der Kettensäge oder klassisch mit einem Seil? Hier darf beim nächtlichen Umherschleichen im Herrenhaus jede morbide Fantasie ausgelebt werden. Das Spielmaterial ist sehr schlicht gehalten, der Preis dafür eher niedrig (Truant, um 15 Euro).

FÜR FAMILIEN

Gleich noch ein Kurz-Verriss: „Tempo, kleine Schnecke“, der allseits angepriesene Klassiker? Vergessen Sie’s. Dieses Schneckenrennen kann selbst das wohlmeinendste Elternteil kaum verfolgen, ohne dass der Kopf früher oder später unter leichtem Schnarchen auf den Spieltisch sinkt. Sehr viel Spielspaß für verhältnismäßig wenig Geld hingegen bietet „Mein erster Spieleschatz“ von Haba (um 25 Euro). Viele nette Spielideen rund um das Thema Bauernhof, die Materialien sind schön gestaltet – und die Holztiere und -lebensmittel lassen sich für alle möglichen anderen Beschäftigungen zweckentfremden. Beworben für 3- bis 12-Jährige, wobei letzteres großzügig bemessen sein dürfte. Bereits im Juni wurde übrigens „Funkelschatz“ von Lena und Günter Burkhardt, ebenfalls erschienen bei Haba, zum „Kinderspiel des Jahres 2018“ gewählt. Darin geht es um Drachenkinder, die bunte Funkelsteine sammeln.

FÜR STÄDTEPLANER

Sie kennen bei den Siedlern von Catan jede Ladung Holz mit Vornamen? Dann wird es Zeit für „La Città“. Ziel ist es, im Italien der Renaissance eine Stadt zu erbauen. Eine Schule, ein neues Badehaus, Investitionen in Kunst – was lockt am meisten Einwohner an? Eine klassische Spielidee, gekonnt umgesetzt. Das Spiel ist nicht mehr im aktuellen Verlagsprogramm von Kosmos, aber gut und günstig gebraucht zu erhalten, etwa über Ebay Kleinanzeigen ab 10 Euro.

FÜR TETRIS-FANS

Sie sind im Tetris viel besser als Ihre Liebsten? Beweisen Sie’s! Bei „Ubongo“ kommt die Stunde der Wahrheit. Es geht darum, eine bestimmte geometrische Form mit vorgegebenen Plättchen auszufüllen. Wer das am schnellsten schafft, punktet. Das Prinzip ist so einfach, dass sofort losgespielt werden kann – und sorgt für herrlich viel Adrenalin (Kosmos, um 25 Euro)

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