Gesunder Ampel-Look : In der Ernährung ist die Farbenlehre nötig

Verbraucher sollten sich blitzschnell orientieren können, ob die verpackte Nahrung nicht als zu fett, zu salzig, zu süß gilt. Eine Kolumne.

Eine Tabelle in Scheckkartenform mit der Ampel-Kennzeichnung für Lebensmittel liegt bei einer Pressekonferenz zur Nährwertkennzeichnung auf einer Nahrungsmittelverpackung.
Eine Tabelle in Scheckkartenform mit der Ampel-Kennzeichnung für Lebensmittel liegt bei einer Pressekonferenz zur...Foto: Rainer Jensen / picture alliance / dpa

Die von Bürgern und Verbraucherschutzverbänden herbeigewünschte Lebensmittel-Ampel kommt vielleicht doch noch. Jedenfalls hat die zuständige Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, kürzlich ein Auswahlverfahren mit Verbraucherbeteiligung angestoßen mit dem sperrigen Titel: „Erweitertes Nährwertkennzeichnungsmodell für Deutschland“. Ziel: Verbraucher sollen sich blitzschnell orientieren können, ob die verpackte Nahrung nicht als zu fett, zu salzig, zu süß gilt.

In Frankreich, Belgien, Spanien, Portugal gibt es dafür mit dem „NutriScore-Modell“ im Ampel-Look gute Erfahrungen. So könnten wir mit schnellem Blick auf die Verpackung erkennen, wie gesund eine Essware ist, statt wie bisher mühselig den Gehalt an Nährstoffen wie Salz, Zucker, Fett und anderen Werten, kleinstgedruckt auf der Rückseite, entziffern und berechnen zu müssen. Wem das gelingt, der weiß dennoch nicht, ob das Lebensmittel als gesund oder ungesund beurteilt wird.

Genau das leistet die Ampel gegenüber den konkurrierenden Modellen, nämlich eindeutige Bewertung bei gleichzeitiger Klarheit in der Wahrnehmung. Der Ampel-Look ergibt sich aus der fünffarbigen Skala – beginnend mit einem sattgrünen A für „gesund“ bis zum roten E für „ungesund“. Obwohl die Ampel auch in Deutschland eindeutiger Favorit ist bei Verbraucherverbänden und -schützern bis hin bis zur Deutschen Diabetes-Hilfe, konkurriert sie bei der aktuellen Befragung mit drei weiteren Vorschlägen.

Dass die Ernährungsministerin den „NutriScore“ nicht kraft ihrer Zuständigkeit empfiehlt, wie in anderen Ländern geschehen, nährt den Gedanken, sie will es allen recht machen. Nur so ist zu erklären, dass sich auch der verkopfte Vorschlag des Spitzenverbands der deutschen Lebensmittelwirtschaft im Rennen befindet. Es ist doch ausgeschlossen, dass ein Lobbyisten-Verband, der 250 Unternehmen vertritt, Produkte von Mitgliedern mies macht. Auch „NutriScore“ ist nicht perfekt, kann nicht alle Ernährungsfragen beantworten. Aber das System ist anerkannt und bewährt. Ein guter Anfang.

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