Politik : Gesunder Verzicht

Studie aus Irland: Beschäftigte der Gastronomie profitieren vom Rauchverbot

Michael Schmidt

Berlin - Das Rauchverbot in Irland zahlt sich aus. Seitdem die Regierung auf der grünen Insel vorpreschte und im März 2004 als erstes Land in Europa alle Restaurants, Kneipen, Bars und Diskos zur qualmfreien Zone erklärte, geht es den Angestellten in den Gastronomiebetrieben gesundheitlich deutlich besser. Das ist das Ergebnis einer Studie irischer Wissenschaftler, die am Dienstag in Heidelberg vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) veröffentlicht wurde.

Das Wissenschaftlerteam um Luke Clancy vom Dubliner Forschungsinstitut für eine rauchfreie Gesellschaft habe, wie der DKFZ-Vorstandsvorsitzende Otmar Wiestler erklärte, in insgesamt 42 Dubliner Pubs vor und nach der Einführung des Rauchverbots die Gesundheit von 73 männlichen Mitarbeitern und die Schadstoffbelastung der Raumluft untersucht. Fazit: Die Lungenfunktion der Kneipenangestellten habe sich nach dem Verbot deutlich verbessert, und sogar die weiter rauchenden Mitarbeiter klagten weniger über Atemwegsprobleme und Beschwerden wie gerötete Augen, Reizungen des Rachenraumes und Husten. Zudem enthalte die Kneipenluft weniger Schadstoffe wie Kohlenmonoxid und das erbgutschädigende Benzol. Die Krebsgefahr in Kneipen habe erheblich vermindert werden können.

Zwei Tage vor dem Treffen der deutschen Länderchefs in Berlin zum Thema Rauchverbot, verband DKFZ-Chef Wiestler die Präsentation der Studienergebnisse mit der Forderung an die Ministerpräsidenten, sich für „eine komplett rauchfreie Gastronomie in allen Ländern der Bundesrepublik“ stark zu machen. Die Gesundheitsminister der Länder hatten sich im Februar auf ein generelles Rauchverbot in Gaststätten geeinigt – außer in separaten Räumen. Immer mehr Länder fordern aber Sonderregelungen. Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wollen die Wirte über Raucherlokale entscheiden lassen. Wiestler appelliert deshalb an die Politiker: „Gastronomiemitarbeiter dürfen keine Arbeitnehmer zweiter Klasse bleiben, die an ihren Arbeitsplätzen eine hochgradig vergiftete Luft einatmen müssen.“

Nachdruck verlieh er seiner Forderung mit einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) unter 2000 Deutschen. Die belege, dass die Zustimmung der Bevölkerung zu rauchfreien Gaststätten weiter angestiegen sei, sagte Wiestler. Während die Zustimmungsquote im Februar 2005 bei 53 Prozent lag, erhöhte sie sich demnach bis zum Februar 2006 auf 59 Prozent und im Februar 2007 auf 67 Prozent. Eher vage allerdings blieb sein Hinweis auf „sämtliche als valide und qualitativ hochwertig eingestufte Studien“, die zeigten, dass sich Rauchverbote nicht negativ auf den Umsatz der Gastronomiebetriebe auswirkten. Von vielen Gastwirten hört man anderes.

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