Gesundheitsministerium kritisiert : Kliniken für Organspende-Rückgang mitverantwortlich

Strukturelle und organisatorische Schwachstellen sind nach Ansicht des Gesundheitsministeriums verantwortlich für die geringe Zahl von Organspenden. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft weist die Kritik zurück.

Eine Organtransportbox.
Eine Organtransportbox.Foto: Jens Kalaene/dpa

Das Bundesgesundheitsministerium macht die Krankenhäuser mitverantwortlich für die geringe Zahl von Organspenden in Deutschland. Das geht aus einem Bericht des ARD-Magazins „Report Mainz“ hervor. Das Ministerium teilte demnach auf Anfrage mit, dass unter anderem „strukturelle und organisatorische Schwachstellen“ sowie „Arbeitsverdichtungen“ in den Kliniken zur rückläufigen Zahl von Organentnahmen führten

Das Ministerium wies den Angaben zufolge darauf hin, dass auch eine „unzureichende Vergütung“ der Organentnahme für Kliniken eine Ursache für die sinkenden Spenderzahlen sei. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) werde daher bis Herbst einen Gesetzentwurf vorlegen. Ziel sei es, „eine verbesserte Vergütung für Organentnahmen und eine Verbesserung der Situation der Transplantationsbeauftragten“ in den Krankenhäusern zu erreichen.

Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum, wies gegenüber „Report Mainz“ Kritik an der Rolle der Krankenhäuser bei den Organspenden zurück: „Wir sehen nicht, dass die Kliniken das Problem sind. Die Kliniken sind seit Jahren sehr engagiert.“ Weiter sagte Baum: „Ich kann nicht beobachten, dass unsere Krankenhäuser aufgrund der Lasten der Aufwendungen, die mit Spendenprozessen verbunden sind, sich aus dem Spenderengagement zurückziehen.“ Auf die Frage, ob es auch an einer unzureichenden Vergütung für Organentnahmen liege, dass zu wenige Organspenden realisiert würden, antwortete Baum: „Die Kliniken engagieren sich für die Organspende, um Menschen zu helfen. Das Geld spielt nicht die Rolle, die in der Diskussion vielleicht manchmal aufgerufen wird.“

Die Kaufmännische Direktorin der Uniklinik Heidelberg, Irmtraut Gürkan, bestätigte laut dem Magazinbericht indes, dass Organentnahmen für Kliniken ein Kostenfaktor seien: „Die Organentnahme ist ein Minusgeschäft“, sagte Gürkan. „Wir erhalten heute für eine Organentnahme einen Pauschalbetrag zwischen 500 Euro und 5.000 Euro.“ 500 Euro würden gezahlt, wenn eine Organentnahme nicht erfolgen könne oder abgebrochen werden müsse. 5.000 Euro sei der Betrag für eine Entnahme mehrerer Organe. Das reiche nicht aus, so die Expertin.

2017 war die Zahl der Organspender in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gesunken: Bundesweit gab es nur 797 Spender. (KNA)

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