• Gewalt gegen Mandatsträger: Fast zwei Drittel der Bürgermeister beschimpft, bedroht oder attackiert

Gewalt gegen Mandatsträger : Fast zwei Drittel der Bürgermeister beschimpft, bedroht oder attackiert

Die Gewalt gegen Politiker nimmt zu. In einer Umfrage berichten Bürgermeister nicht nur von Drohungen im Internet – sondern auch von Übergriffen bei Auftritten.

Gewalt gegen Politiker. Tatort des Angriffs auf die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker im Oktober 2015
Gewalt gegen Politiker. Tatort des Angriffs auf die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker im Oktober 2015Foto: Reuters/Wolfgang Rattay

64 Prozent und damit fast zwei Drittel der Bürgermeister in Deutschland sind nach eigenen Angaben bereits beleidigt, beschimpft, bedroht oder tätlich angegriffen worden. Bespuckt oder geschlagen wurden neun Prozent der Bürgermeister, wie eine am Dienstag veröffentlichte repräsentative Umfrage der Zeitschrift "Kommunal" im Auftrag des ARD-Politmagazins "report München" ergab. In Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern berichteten demnach sogar 32 Prozent von tätlichen Angriffen.

Die Beleidigungen und Bedrohungen gegen die Rathauschefs finden demnach bei Weitem nicht nur aus der Anonymität des Internets heraus statt. So berichteten 59 Prozent der Befragten von Beleidigungen oder Übergriffen bei öffentlichen Veranstaltungen, 57 Prozent erlebten dies in den Diensträumen. Auch Mitarbeiter der Verwaltung und Gemeindevertreter werden demnach vermehrt zur Zielscheibe: In 20 Prozent der Kommunen wurden diese körperlich angegriffen, bespuckt oder geschlagen.

„Gewalt verlässt das Internet“

An der Befragung nahmen rund 2500 Bürgermeister teil, was etwa einem Fünftel aller Bürgermeister entspricht. Andreas Zick, Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld, sagte "report München": "Wir sehen ein dramatisches Element: Die Gewalt verlässt das Internet." Die Angriffe aus dem Netz rückten näher an die Bürgermeister heran.

Ein Drittel der befragten Bürgermeister will dem Bericht zufolge nicht mehr zu einer weiteren Wahl antreten. Fünf Prozent dieser Gruppe begründeten dies demnach auch mit konkreten Bedrohungen, zwölf Prozent mit dem Anspruchsdenken der Bürger und neun Prozent mit der Diskussionskultur im Alltag. (AFP)

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