Politik : „Ghana ist ein Modell für Afrika“

Experte Mair über 50 Jahre Unabhängigkeit und die Demokratie im Land

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Am 6. März 1957 ist Ghana als erster afrikanischer Staat südlich der Sahara nach dem Krieg unabhängig geworden. Was lehrt uns das über den Kontinent?

Ghana ist ein Modell für ganz Afrika. Es ist vor 50 Jahren mit großen Erwartungen gestartet. Es wurde von einem Visionär geführt. Kwame Nkrumah war auch Begründer des Pan-Afrikanismus. Doch er ist sehr schnell an seinen eigenen Ansprüchen gescheitert. Es folgte eine Serie von Putschen, Militärherrschaft und einem schwierigen Übergang zur Demokratie. Ghana hatte das Glück, dass Jerry Rawlings, der als autoritärer Herrscher angefangen hatte, die Kurve bekommen und das Land für marktwirtschaftliche und demokratische Reformen geöffnet hat. Ghana hat den Übergang geschafft und ist eine konsolidierte Demokratie mit beachtlichen wirtschaftlichen Wachstumgsraten. Heute ist Ghana wieder ein Musterbeispiel aus Afrika.

Zu Recht?

Ich glaube, aufgrund der innenpolitischen Reformen und Erfolge zu Recht.

Kann Ghana nun auch für seine Bevölkerung Wege aus der Armut finden?

Sie haben Fortschritte zu verzeichnen. Innenpolitisch ist das Land auf einem guten Weg. Das größte Risiko für Ghana liegt jenseits seiner Grenzen. Die Lage in Westafrika ist nach wie vor instabil. Obwohl es in Elfenbeinküste gerade wieder einen neuen Friedensvertrag zwischen der Regierung und den Rebellen im Norden gegeben hat, ist unklar, ob er auch eingehalten wird. In Nigeria wird in diesem Jahr gewählt, und es ist schwer absehbar, ob das gut ausgeht. Es kann jederzeit wieder Flüchtlingsströme nach Ghana geben.

Ghana hat die Präsidentschaft der Afrikanische Union übernommen und so die des Sudan verhindert. Ist das gut für die AU?

Die ghanaische Diplomatie hat schon immer stärker gewirkt, als die Größe des Landes vermuten lässt. Das beste Beispiel ist Kofi Annan, der als Generalsekretär der Vereinten Nationen gewirkt hat. Auch im westafrikanischen Staatenbund Ecowas hat Ghana eine starke Rolle gespielt. Ich denke, das Land wird diese Präsidentschaft aktiv nutzen. Dabei sind sie aber auf die Unterstützung der größeren Länder wie Nigeria und Südafrika angewiesen.

Das Gespräch führte Dagmar Dehmer.

Stefan Mair (43) ist Mitglied der Institutsleitung der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. Der Afrikaexperte ist zudem im Beirat der Afrika-Initiative des Bundespräsidenten.

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