• Giftanschlag auf Sergej Skripal: Bulgarisches Parlament untersucht mögliche Querverbindungen

Giftanschlag auf Sergej Skripal : Bulgarisches Parlament untersucht mögliche Querverbindungen

Zwei Agenten des russischen Militärgeheimdienstes GRU gelten als Verdächtige im Fall Skripal. Jetzt gibt es Berichte über einen möglichen dritten Verdächtigen.

Der bulgarische Waffenfabrikant Emilian Gebrew und der bulgarische Premier Bojko Borissow 2017 in Sofia (Archiv)
Der bulgarische Waffenfabrikant Emilian Gebrew und der bulgarische Premier Bojko Borissow 2017 in Sofia (Archiv)Foto: AFP/Nikolay DOYCHINOV

Nach Berichten über einen möglichen dritten Verdächtigen bei dem Giftanschlag auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal in Großbritannien rollt das bulgarische Parlament einen alten Fall neu auf. Im Zentrum stehen dabei mögliche Querverbindungen zu einem Giftanschlag in Bulgarien im Jahr 2015, wie der Fraktionsvorsitzende der Regierungspartei Gerb, Zwetan Zwetanow, am Samstag mitteilte. Ein Parlamentsausschuss wolle dazu am kommenden Donnerstag Geheimdienstinformationen anfordern.

Der ehemalige Doppelagent Skripal und seine Tochter Julia waren im März 2018 im südenglischen Salisbury dem in der Sowjetunion entwickelten Nervengift Nowitschok ausgesetzt worden. Beide entgingen nur knapp dem Tod. Die britische Regierung macht Russland für den Anschlag verantwortlich. Als Verdächtige gelten zwei Agenten des russischen Militärgeheimdienstes GRU.

In der vergangenen Woche hatte die britische Rechercheplattform Bellingcat über einen bislang unbekannten dritten Verdächtigen berichtet. Der Mann soll demnach zwei Tage vor dem Giftanschlag auf Skripal unter dem Decknamen Sergej Fedotow nach Großbritannien gereist und an dem Anschlag beteiligt gewesen sein. 2015 soll er laut Bellingcat bereits an einem Anschlag auf den bulgarischen Geschäftsmann Emilian Gebrew beteiligt gewesen sein.

Als Reaktion auf den Anschlag von Salisbury wiesen zahlreiche EU-Staaten russische Diplomaten aus - Bulgarien gehörte allerdings nicht dazu. Der Rüstungsfabrikant Gebrew war am 28. April 2015 bei einem Empfang mit schweren Vergiftungserscheinungen zusammengebrochen und ins Koma gefallen. Sein Sohn und ein Mitarbeiter wurden wegen ähnlicher Symptome behandelt, alle drei wurden aber wieder gesund. Laut Bellingcat soll Fedotow zwei Tage vor dem Giftanschlag auf Gebrew von Moskau nach Sofia geflogen sein.

Fedotow, ein 45-jähriger Russe, trat demnach seinen für den 30. April gebuchten Rückflug nicht an. Stattdessen sei er am Abend des 28. am Istanbuler Flughafen gesehen worden. Im Mai kehrte er für einige Tage nach Bulgarien zurück, wie Bellingcat berichtete. In bulgarischen Regierungskreisen wurden die Angaben inzwischen bestätigt, wie die Wochenzeitung "Capital" am Freitag unter Berufung auf Vertreter des Innenministeriums berichtete.

Die Erklärung von Zwetanow war nun die erste offizielle Reaktion auf die Enthüllungen in Bulgarien. Zwetanow sagte, er gehe davon aus, dass sich die Behörden in Bulgarien, Großbritannien und der EU über die neuen Enthüllungen austauschen und "aktiv" an einer Aufklärung arbeiten. (AFP)

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