• Gipfel zur Fachkräftezuwanderung: Göring-Eckardt kritisiert bürokratische Hürden für ausländische Fachkräfte

Gipfel zur Fachkräftezuwanderung : Göring-Eckardt kritisiert bürokratische Hürden für ausländische Fachkräfte

Wirtschaftsverbände und Regierung suchen in Berlin Wege aus dem Mangel an Arbeitskräften. Für ausländische Akademiker ist Deutschland nicht besonders attraktiv.

Vor allem in der Pflege fehlt Personal.
Vor allem in der Pflege fehlt Personal.Foto: Christian Charisius/dpa

Vor dem Gipfel im Bundeskanzleramt zur Einwanderung von ausländischen Fachkräften hat die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt die bisherigen Anstrengungen der Bundesregierung als unzureichend kritisiert. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz sei „ein kompliziertes Regelungslabyrinth mit hohen Anforderungen und vielen bürokratischen Hürden“, sagte Göring-Eckardt der Nachrichtenagentur AFP. Ein „herzliches Willkommen“ sehe anders aus.

Die Grünen-Politikerin dämpfte die Erwartungen an das Spitzentreffen am Montag: Was die Regierung mit dem Gesetz nicht geschafft habe, könne ein Gipfel im Kanzleramt nicht richten. Göring-Eckardt forderte stattdessen „ein echtes, modernes Einwanderungsgesetz, das kleinen und mittleren Unternehmen wirklich hilft“.

„Dazu braucht es klare, verständliche Einwanderungsregeln, mit Talentkarte und einem unkomplizierten Punktesystem, damit zu uns kommende Fachkräfte verlässlich ihre Zukunft planen können“, zeigte sich die Grünen-Fraktionschefin überzeugt.

Spitzenvertreter aus Wirtschaft und Regierung kommen am späten Montagnachmittag zu einem Fachkräfteeinwanderungsgipfel im Bundeskanzleramt zusammen. Sie wollen diskutieren, wie das am 1. März in Kraft tretende Gesetz am besten in die Praxis umgesetzt werden kann. Dabei geht es etwa darum, welche Fachkräfte konkret in Deutschland benötigt werden, aus welchen Ländern außerhalb der EU sie kommen und wie sie hierzulande integriert werden sollen.

Auch Wirtschaftsminister Peter Altmaier hatte den Abbau bürokratischer Hürden bei der Anwerbung gut ausgebildeter Zuwanderer gefordert.

Zum Weiterlesen:

Der Fachkräftemangel ist für Unternehmen in Deutschland ein großes Problem. In einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) vor einem Spitzentreffen im Kanzleramt an diesem Montag gaben 56 Prozent der Firmen an, dass dies das größte Geschäftsrisiko darstelle. Ein Drittel der Unternehmen hat demnach in den vergangenen Jahren bereits ausländische Fachkräfte aus der EU sowie aus Nicht-EU-Staaten eingestellt.

Zuwanderungswilligen Akademikern bietet Deutschland einer anderen Studie zufolge nur mäßige Rahmenbedingungen. Bei der Attraktivität lande die Bundesrepublik unter den mehr als 30 OECD-Industrieländern nur auf Rang zwölf, heißt es in einer gemeinsamen Untersuchung der Bertelsmann Stiftung und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Die beliebtesten Zuwanderungsländer bei Akademikern sind laut der Studie Australien, Schweden und die Schweiz.

Berufliche Chancen für ausländische Akademiker schlecht

„Das größte Defizit in der Attraktivität für Hochqualifizierte hat Deutschland bei den beruflichen Chancen“, heißt es in der Studie. Diese sind für zugewanderte Menschen der Studie zufolge vergleichsweise schlecht. Das gilt insbesondere, wenn sie einen akademischen Abschluss aus Nicht-EU-Ländern mitbringen.

Eine weitere Hürde für die Zuwanderung von Fachkräften sei die Erfordernis der Anerkennung ihrer Berufsabschlüsse. In anderen Ländern sei eine Anerkennung für die Zuwanderung nur dann erforderlich, wenn es sich um regulierte Beschäftigungen handle, zum Beispiel um Gesundheitsberufe.

„Das ist schlecht für die Fachkräfte, schlecht für die Volkswirtschaft und reduziert Deutschlands Attraktivität“, sagte der Migrationsexperte der Bertelsmann Stiftung, Matthias Mayer. Er rät dazu, berufsfachliche Kompetenzen bei der Fachkräftezuwanderung mehr zu berücksichtigen. Auch der Leitende Ökonom der Migrationsabteilung der OECD, Thomas Liebig, fordert Verbesserungen: „Die Bundesrepublik sollte die Anerkennungsverfahren für Berufe entschlacken und Alternativen erwägen.“ (AFP/Reuters)

Der neue Morgenlage-Newsletter: Jetzt gratis anmelden!