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Golf von Oman : Pompeo macht Iran für Tanker-Angriffe verantwortlich

Ein deutscher und ein norwegischer Tanker wurden im Golf von Oman angegriffen. Es kam zu einer Explosion an Bord.

Der US-Außenminister Mike Pompeo.
Der US-Außenminister Mike Pompeo.Foto: AFP/Eric Baradat

US-Außenminister Mike Pompeo hat dem Iran die Verantwortung für die mutmaßlichen Angriffe auf zwei Tanker im Golf von Oman zugewiesen. "Es ist die Einschätzung der USA, dass die Islamische Republik für die Angriffe verantwortlich ist", sagte Pompeo am Donnerstag in Washington in einem Kurzauftritt vor Kameras. Die beiden Schiffe hatten am Donnerstagmorgen Notrufe abgesetzt und wurden evakuiert.

Die norwegische Seefahrtsbehörde hatte am Donnerstag einen Angriff auf den Öltanker „Front Altair“ bestätigt. Das norwegische Unternehmen Frontline meldete eine Explosion und einen Brand an Bord des Schiffes. Die deutsche Reederei Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM) in Singapur teilte mit, es seien 21 Seeleute von ihrem mit Methanol beladenen Frachter „Kokuka Courageous“ gebracht worden. Das Schiff sei am Morgen beschädigt und ein Crewmitglied leicht verletzt worden. Infolge der mutmaßlichen Angriffe schoss der Ölpreis in die Höhe.

Die norwegische Reederei Frontline teilte später mit, dass die 23 Besatzungsmitglieder ihre Öltankers unverletzt seien. Zur Crew gehören nach Angaben von Frontline elf Besatzungsmitglieder aus Russland, eines aus Georgien und elf weitere von den Philippinen. Sie wurden demnach von dem Schiff „Hyundai Dubai“ aufgenommen, von dort auf ein iranisches Marineschiff gebracht und gingen schließlich in einem iranischen Hafen an Land. Sie sollten schnellstmöglich in ihre Heimatländer gebracht werden. Ihre Angehörigen würden laufend über die Situation informiert.

Die Crew der „Front Altair“ habe bei der Durchfahrt der Straße von Hormus alle Sicherheitsvorschriften eingehalten, es gebe keine Berichte über eine Verschmutzung der Gewässer. Nach der Explosion und dem anschließenden Brand an Bord sei nun ein Schlepper bei dem Schiff.

Explosion an Bord

Die omanische Küstenwache erklärte der norwegischen Zeitung „Dagbladet“, es habe einen Angriff gegeben. Es sei zu einer Explosion an Bord des norwegischen Schiffes gekommen, sagte ein Küstenwachensprecher der Zeitung. Demnach geschah der Vorfall in iranischen Gewässern. Deshalb stehe man in Kontakt mit den iranischen Behörden, wurde der Sprecher vom „Dagbladet“ zitiert. Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg sagte auf einer Pressekonferenz, sie habe bislang keine Informationen zu dem Fall.

Der Öltanker „Front Altair“ wurde 2016 gebaut. Er ist 252 Meter lang und 44 Meter breit. Frontline gilt als die größte Tankerflotte der Erde. Sie befindet sich im Besitz des norwegischen Milliardärs John Frederiksen.

Straße von Hormus, Persischer Golf
Straße von Hormus, Persischer GolfGrafik: dpa/TSP

Die deutsche Reederei Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM) teilte mit, es bestehe keine Gefahr, dass ihr Schiff sinkt. Die Ladung sei „intakt“. Der Schaden sei auf der Steuerbordseite im hinteren Teil des Frachters, sagte der Sprecher. Bei den Seeleuten handele es sich ausnahmslos um Philippiner. Deutsche seien keine an Bord gewesen, sagte der Sprecher.

Führerlos im Meer

Der Zwischenfall ereignete sich diesen Angaben zufolge in etwa 70 Seemeilen Entfernung vom arabischen Emirat Fudschairah und etwa 14 Seemeilen entfernt von der iranischen Küste. Die „Kokuka Courageous“, die unter der Flagge Panamas fährt, hatte „Marine Traffic“ zufolge vor drei Tagen in Saudi-Arabien abgelegt und war unterwegs nach Singapur. Der japanische Schiffseigner, Kokuka Sanyo, erklärte, der Tanker sei in der Nähe der Straße von Hormus innerhalb von drei Stunden zwei Mal getroffen worden, bevor er vollständig evakuiert worden sei. Im Maschinenraum des Schiffs habe es einen Brand gegeben. Insider berichteten, das Schiff treibe führerlos im Meer.

Der brennende norwegische Tanker vor der Küste des Irans.
Der brennende norwegische Tanker vor der Küste des Irans.Foto: dpa

Die "Front Altair" fuhr dem Charterer CPC zufolge unter der Flagge der Marshall-Inseln. Laut dem norwegischen Eigner transportierte das Schiff 75.000 Tonnen Rohbenzin (Naphtha). Branchenkreisen und Refinitiv-Daten zufolge war der Tanker auf dem Weg von den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Taiwan. Unter Branchenkennern wurde auch in Erwägung gezogen, dass das Schiff von einer Seemine getroffen worden sein könnte. Was sich im Golf von Oman aber genau abgespielt hat, blieb zunächst unklar. Von den Behörden im Oman und den Arabischen Emiraten gab es zunächst keine Stellungnahmen.

Die US-Kriegsmarine hatte am Donnerstagmorgen nach eigenen Angaben Notrufe von den zwei im Golf von Oman angegriffenen Tankern erhalten. "Wir wissen von dem gemeldeten Angriff auf Tankschiffe im Golf von Oman", erklärte die Fünfte Flotte am Donnerstag. "Die US-Seestreitkräfte in der Region haben zwei verschiedene Notrufe um 06.12 Uhr Ortszeit und um 07.00 Uhr erhalten." Schiffe der US-Navy seien in der Gegend und leisteten Unterstützung. Weitere Einzelheiten waren zunächst unklar.

US-Flotte: Zwei Schiffe im Golf von Oman angegriffen. Die Golfregion mit Lokalisierung der Vorfälle.
US-Flotte: Zwei Schiffe im Golf von Oman angegriffen. Die Golfregion mit Lokalisierung der Vorfälle.Foto: AFP/Thorsten Eberding

Im Konflikt mit dem Iran hatten die USA zuletzt ihre Militärpräsenz in der Golfregion verstärkt. Die Fünfte Flotte der USA ist im Golfemirat Bahrain stationiert. Sie ist unter anderem für den Persischen Golf, den Golf von Oman und das Rote Meer zuständig.

Auch die Informationsplattform UKMTO der britischen Marine berichtete von einem Zwischenfall. Die Organisation registriert und untersucht Angriffe auf Handelsschiffe in der Region. Anrainer der dortigen Meerenge sind der Iran sowie die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und der Oman.

Der deutsche Aaußenminister Heiko Maas bezeichnete die mutmaßlichen Angriffe als „außerordentlich beunruhigend“ bezeichnet. „Die Vorfälle sind das Gegenteil von dem, was wir in der jetzigen ohnehin schon angespannten Lage in der Region gebrauchen können“, sagte er am Donnerstag in Berlin. „Das sind Ereignisse, die zur Eskalation führen können.“ Angriffe auf Handelsschiffe stellten nicht nur eine Bedrohung für offene Handelswege dar. „In der aktuellen Situation sind sie auch eine Bedrohung für den Frieden.“

Chamenei lehnt Austausch mit US-Präsident ab

Erst Mitte Mai waren vier Handelsschiffe vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate attackiert worden. Saudi-Arabien machte den Iran und von der Islamischen Republik unterstützte Kräfte dafür verantwortlich. US-Sicherheitsberater John Bolton sprach später von Angriffen mit Seeminen, für die „fast sicher“ der Iran verantwortlich sei. Beweise für seine Anschuldigung legte er nicht vor. Die Regierung in Teheran wies den Vorwurf zurück und sprach von „lächerlichen Behauptungen“.

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben sich zuletzt im Streit über das Atomprogramm der Islamischen Republik massiv verschärft. Am Donnerstag hatten mit dem Iran verbündete Huthis eine Rakete auf einen Flughafen in Saudi-Arabien abgefeuert. Irans oberster Führer, Ajatollah Ali Chamenei, hat Verhandlungen mit den USA im Atomstreit kategorisch ausgeschlossen. „Der Iran vertraut den USA nicht, (...) wir haben mit den Amerikanern bereits die bittere Erfahrung beim Atomabkommen gemacht und wollen diese Erfahrung nicht wiederholen“, sagte er bei einem Treffen mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe am Donnerstag in Teheran. 

Trump über Situation unterrichtet

US-Präsident Donald Trump ließ sich am Donnerstag über die Situation im Golf von Oman unterrichten. Das gab seine Sprecherin Sarah Sanders in Washington bekannt. Die US-Regierung stelle Hilfe bereit und werde die Situation weiter prüfen, sagte Sanders. Die US-Marine hatte zuvor bereits bekanntgegeben, dass bei ihren regionalen Kräften zwei Notrufe eingegangen seien und dass Berichte über mögliche Angriffe auf Schiffe vorlägen. Nach US-Medienberichten befindet sich mindestens ein US-Aufklärungsflugzeug in der Region.

Russland warnt vor Vorverurteilung

Der Golf von Oman ist über die Straße von Hormus mit dem Persischen Golf verbunden. Die Straße von Hormus ist einer der wichtigsten Wasserwege weltweit, der vor allem für Öltransporte aus der Golfregion eine zentrale Rolle spielt.

Die britische Regierung zeigte sich "tief besorgt" über die Vorfälle. Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe forderte alle Beteiligten bei einem Besuch im Iran auf, die Spannungen nicht eskalieren zu lassen. „Die Region braucht keine weiteren Elemente der Destabilisierung und keine weiteren Spannungen“, sagte die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini in Brüssel. Man rufe deswegen zu äußerster Zurückhaltung und zum Unterlassen jeglicher Provokationen auf.

Russland warnte, dem Iran die Verantwortung für den Vorfall zu geben. „Wir beobachten in letzter Zeit eine sich verstärkende Kampagne des politisch-psychologischen und militärischen Drucks auf den Iran“, sagte der russische Vize-Außenminister Sergej Rjabkow der Agentur Interfax zufolge am Donnerstag. Moskau warnte davor, voreilige Schlüsse zu ziehen und die Spannungen in der Region weiter anzuheizen.

Ölpreise steigen

Der iranische Außenminister Dschawad Sarif bezeichnete die Vorfälle als "verdächtig" und verwies darauf, dass sich die "mutmaßlichen Angriffe auf mit Japan verbundene" Öltanker während des Abe-Besuchs ereigneten. Ein Regierungssprecher in Teheran sagte, alle Länder der Region sollten sich zusammenschließen, um die strategischen Wasserwege zu schützen. Der Branchenverband Intertanko erklärte, er sorge sich um die Sicherheit der in der Vereinigung organisierten Seeleute bei Durchquerungen der Straße von Hormus.

Die Ölpreise reagierten am Donnerstag mit einem starken Anstieg auf die Meldungen über die mutmaßlichen Angriffe. Im Vormittagshandel kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 61,73 US-Dollar. Das waren 1,76 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,28 Dollar auf 52,42 Dollar. (AFP, dpa, Reuters)

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