Grünen-Chef Habeck : „Die große Koalition verramscht den Heimatbegriff“

Union und SPD planen für den Fall einer großen Koalition ein Heimatministerium. Für Grünen-Chef Robert Habeck ist das nur eine Konzession an die AfD.

Robert Habeck hält die Suche nach Identität, Halt und einem Zuhause für eine Querschnittaufgabe der Politik.
Robert Habeck hält die Suche nach Identität, Halt und einem Zuhause für eine Querschnittaufgabe der Politik.Foto: Thilo Rückeis

Grünen-Chef Robert Habeck hält nichts von den Plänen von Union und SPD, ein Heimatministerium einzuführen. „Die große Koalition verramscht den Heimatbegriff. Das ist nur eine Konzession an die AfD“, sagte Habeck im Interview mit dem Tagesspiegel. Es sei absurd zu glauben, eine Heimatabteilung des Innenministeriums könne die große Verunsicherung zwischen Bankenkrise und den Migrationswellen in der Welt lösen.

„Menschen suchen in nervösen Zeiten wie diesen Identität und Halt. Das ist aber in einer Regierung eigentlich eine Querschnittsaufgabe“, sagte Habeck. Die Palette reiche von den Lebensbedingungen im ländlichen Raum über bezahlbaren Wohnraum in den Städten bis zu einem Mindestmaß an sozialer und öffentlicher Sicherung, einem fairen Bildungsangebot und halbwegs intakter Natur. Das Bedürfnis nach einem Zuhause und einem gewissen Maß an Sicherheit habe zugenommen. „Viele Menschen sind auf der Suche nach Halt und fragen sich, wie ihre Kinder morgen leben werden“, sagte Habeck.

Habeck fordert: Mehr Offenheit
im Umgang mit Problemen

Angesichts der schwierigen Regierungsbildung empfahl Habeck SPD und Union mehr Offenheit im Umgang mit den Problemen empfohlen. „Es würde weder SPD noch Union ein Zacken aus der Krone fallen, wenn sie offen sagen würden: Wir quälen uns da jetzt rein, aber wir machen es, weil wir Verantwortung tragen. Ich glaube, es würde nicht nur das Zutrauen in die große Koalition stärken, sondern auch in die Politik generell, wenn man die Probleme offener zugibt“, sagte Habeck. Er könne sich nicht vorstellen, dass die beiden Volksparteien stark und innovativ aus der großen Koalition hervorgingen. „Das gemeinsame Regieren höhlt beide Parteien extrem aus. Trotzdem werden die jetzt irgendwie zusammen getackert“, sagte Habeck. Er finde es „hoch respektabel, dass die SPD sich diesen Tort antut“.

Lesen Sie das ganze Interview mit Grünen-Chef Habeck in der Tagesspiegel-am-Sonntag-Printausgabe oder im Tagesspiegel-E-Paper.

 

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