Grünen-Politiker : Kretschmann nimmt Palmer in Schutz

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer sorgte zuletzt mit harscher Kritik an Berlin für Aufsehen. Sein grüner Parteikollege Kretschmann verteidigt ihn.

Winfried Kretschmann
Winfried KretschmannFoto: dpa/Christoph Schmidt

Der auch in den eigenen Reihen umstrittene grüne Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer erhält Unterstützung von Baden-Württembergs grünem Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann: Die bundesweite Debatte über Palmer sei „überspannt“, sagte Kretschmann dem Tagesspiegel. Eine derart große Aufmerksamkeit für das Tübinger Stadtoberhaupt wäre „nur gerechtfertigt, wenn Palmer groben Unfug oder krasse Provokationen von sich geben würde“. Dies sei aber „mitnichten der Fall“. Palmer sei ein hervorragender Oberbürgermeister, der Tübingen in jeder Hinsicht voranbringe.

Palmer sieht sich wegen scharfer Kritik an der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung sowie an der Funktionsfähigkeit des Bundeslandes Berlin heftigen Vorwürfen aus der eigenen Partei ausgesetzt. Zu Palmers Äußerungen, wonach Berlin ein nicht funktionierender Sektor sei, sagte Kretschmann, er höre von Freunden in der Hauptstadt Ähnliches: „Die sagen auch, dass in Berlin vieles nicht funktioniert.“

Kretschmann warnt vor übertriebener politischer Korrektheit

Kretschmann warnte die demokratischen Parteien vor einer übertriebenen politischen Korrektheit. „Dass Menschen verstehen, was man will, ist die Grundlage von Politik“, sagte Kretschmann dem „Tagesspiegel“: „Wenn man das missachtet, darf man sich nicht wundern, wenn am Ende Rechtspopulisten mit Ansagen punkten, die falsch sind, aber klar.“ Eine klare Sprache sei Voraussetzung dafür, dass Demokratie funktioniere.

„Alle demokratischen Parteien müssen sich deshalb fragen, ob sie sich nicht in eine falsche politische Korrektheit verrannt haben“.  Als Beispiel nannte der Grünen-Politiker „die jahrelange Debatte über Gender-Sternchen und andere Punkte, die natürlich gut gemeint sind, aber nicht wirklich gut gemacht oder relevant“. Dies könnten viele Menschen einfach nicht mehr nachvollziehen.


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