Hass gegen Juden in Deutschland : Pro Tag im Schnitt vier antisemitische Straftaten

Im vergangenen Jahr stellte die Polizei insgesamt 1453 antisemitische Delikte fest. "Die Dunkelziffer dürfte beträchtlich höher sein", sagt Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau.

Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau fordert ein umfassendes gesellschaftliches Vorgehen gegen jede Form von Antisemitismus.
Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau fordert ein umfassendes gesellschaftliches Vorgehen gegen jede Form von Antisemitismus.Foto: Maja Hitij/dpa

Antisemitische Kriminalität lässt in Deutschland nicht nach. Die Polizei hat nach Informationen des Tagesspiegels im vergangenen Jahr pro Tag durchschnittlich vier Straftaten von Judenhassern registriert. Das ist ungefähr soviel wie 2016 und mehr als 2015. In den meisten Fällen waren die Täter rechtsextrem oder zumindest diffus rechts motiviert. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf schriftliche Fragen von Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) hervor. Das Papier liegt dem Tagesspiegel vor.

Die Polizei stellte 2017 insgesamt 1453 antisemitische Delikte fest, darunter 32 Gewalttaten sowie 160 Sachbeschädigungen - sie werden von der Polizei nicht als Gewalt eingestuft - und 898 Fälle von Volksverhetzung. Die Zahlen werden vermutlich noch steigen, da nicht alle Angaben der Länder bereits endgültig sind und es erfahrungsgemäß Nachmeldungen geben dürfte.

Bei 1377 Delikten geht die Polizei von rechts motivierten Tätern aus. 33 Straftaten werden ausländischen Judenfeinden - ohne Islamisten - zugeschrieben, weitere 25 Delikte „religiös motivierten“ Antisemiten, also meist muslimischen Fanatikern ausländischer sowie deutscher Herkunft. Bei 17 Taten war es der Polizei trotz erkennbarem Judenhass nicht möglich, ein politisches Milieu zu ermitteln. Nur ein einziges Delikt, eine Volksverhetzung, war nach Erkenntnissen der Polizei links motiviert.

"Dunkelziffer dürfte beträchtlich höher sein"

Die Angaben sind für Pau Anlass zur Sorge. „Die Zahlen der antisemitisch erfassten Zahlen bewegen sich auch im Jahr 2017 auf einem sehr hohen Niveau“, sagte die Bundestagsvizepräsidentin dem Tagesspiegel. Und da viele Betroffene sich scheuten, judenfeindliche Straftaten anzuzeigen, „dürfte die Dunkelziffer beträchtlich höher sein“. Ein umfassendes und langfristiges gesellschaftliches Vorgehen gegen jedweden Antisemitismus sei unerlässlich.

Pau hatte sich in ihrer Anfrage auch nach Vergleichszahlen aus den vergangenen Jahren erkundigt. Die Bundesregierung nennt für 2016 insgesamt 1468 antisemitische Delikte, mit 34 Gewalttaten. Zwei waren versuchte Tötungsdelikte. Hinzu kamen 125 Sachbeschädigungen und 957 Volksverhetzungen. Rechte Judenhasser waren für 1381 Delikte  verantwortlich.

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Im Jahr 2015 waren die Zahlen nicht ganz so hoch. In der Bilanz der Regierung stehen 1366 antisemitische Delikte, mit 36 Gewalttaten, 115 Sachbeschädigungen und 823 Volksverhetzungen. Insgesamt 1246 Delikte listete die Polizei damals in der Rubrik "Politisch Motivierte Kriminalität - Rechts" auf.

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