Hauptstadtlage : Beim CDU-Parteitag kann alles passieren

Wer die neue Spitze der CDU wird, ist noch völlig offen. Klar ist schon jetzt: Die Kandidatenshow hat den Christdemokraten genutzt.

Merkel spricht mit Spahn und weiteren Parteikollegen, bei der letzten CDU Vorstandssitzung vor dem Bundesparteitag.
Merkel spricht mit Spahn und weiteren Parteikollegen, bei der letzten CDU Vorstandssitzung vor dem Bundesparteitag.Foto: Michael Kappeler/dpa

Heute 11.30 Uhr, Ende einer Ära: Angela Merkel hält ihre letzte Rede als CDU-Chefin. Auf einem Parteitag, wie ihn die CDU noch nie erlebt hat. Alles kann passieren. Mit wem man auch spricht beim CDU-Empfang am Vorabend in der Hamburger Speicherstadt – niemand wagt eine Vorhersage. Die Frau, um deren Nachfolge es geht, sie bleibt hier nicht lang. Die Kanzlerin schäkert und hält sich bedeckt – kein Wort zu Schäuble oder ihren möglichen Nachfolgern. Nach 10 Minuten ist Merkel wieder weg. Sie wirkt ganz unbekümmert.

Klar ist schon jetzt: Die Kandidatenshow hat der CDU genutzt, ihre Umfragewerte steigen ebenso rasant, wie die der Grünen fallen. Gestern Abend im Deutschlandtrend lag sie schon wieder bei 30 Prozent, die Grünen nur noch bei 20. Jo-Jo-Demoskopie! Interessant ist, dass die Popularität von Friedrich Merz unter den Unionswählern rasant gestiegen ist, um ganze sechs Punkte auf 37 Prozent. Wird sich Schäubles letzter Coup doch noch auszahlen? Heute Nachmittag wissen wir mehr.

Wie lange hält Andrea Nahles noch durch?

Ob Merz, Spahn oder AKK – einer hofft darauf, dass er am Ende der lachende Vierte ist: Armin Laschet, NRW-Regierungschef. Sein Landesverband ist der Wichtigste beim Parteitag in Hamburg, er stellt ein Drittel der Delegierten. Doch Laschet hütete sich davor, Partei zu ergreifen. Denn wenn er es sich jetzt mit keinem verdirbt, wenn sich andere dann in Flügelstreit oder schwierigen Wahlen verausgabt haben, stünde er bereit für die zweite, die größere Merkel-Nachfolge. Die Kanzlerkandidatur.

Während die CDU den Aufbruch wagt, kämpft die SPD mit sich selbst. Chefin Andrea Nahles ist noch kein Jahr im Amt – und wirkt doch schon erschöpfter als Merkel nach 13 Jahren Kanzlerschaft. Unerbittliche Politik. Wie lange hält sie noch durch? Immer mehr Spitzengenossen stellen sich diese Frage – nicht immer aus Mitgefühl. Nahles’ Freunde sind sich sicher: Die Vorsitzende werde kämpfen, zäh sei sie ja. Doch schon am Sonntag droht der nächste Schlag. Dann steht im Berliner Willy-Brandt-Haus die Kandidatenliste für die Europawahl zur Abstimmung.

Mehr junge Frauen für Brüssel, so hatte es Nahles verfügt – und sich damit über mehrere Landesverbände hinweggesetzt. Die fanden das gar nicht nett. Nun droht ihr eine „Kampfabstimmung“, wie ein führender SPD-Mann voraussagt. Was, wenn die schief geht? Dann muss sich auch die SPD bald einen Ersatz für ihre Vorsitzende suchen.

Die Hauptstadtlage von Maria Fiedler und ihrem Team ist Teil der Tagesspiegel-Morgenlage, dem Nachrichtenüberblick für Politik-Entscheider. Kostenfrei anmelden kann man sich hier. In unserem Podcast "Fünf Minuten Berlin" erklärt Maria Fiedler zudem, um was es in der Hauptstadtlage geht.

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