Hauptstadtlage : Toiletten fürs dritte Geschlecht - nochmal ein Thema für AKK?

CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer wird heute zum politischen Aschermittwoch erwartet. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Macrons Appell und Abschied von Kinkel.

Was gibt's zu lachen? CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer wird heute erstmals statt Kanzlerin und Ex-CDU-Vorsitzender Angela Merkel beim Politischen Aschermittwoch auftreten.
Was gibt's zu lachen? CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer wird heute erstmals statt Kanzlerin und Ex-CDU-Vorsitzender Angela...Foto: dpa

Am Aschermittwoch, singen die trauernden Narren, ist alles vorbei. Für unsere Spitzen der Politik geht es aber erst los. Der Politische Aschermittwoch entstand als skurriles bayerisches Brauchtum, bei dem Franz Josef Strauß einem zunehmend schwankenden Publikum mehrstündige Vorträge auf Deutsch und Latein hielt. Heute sind die Reden kürzer, dafür gibt es viele. Auf ungewöhnlich großes Interesse stößt diesmal die Ansprache in Demmin. Statt der langjährigen Hauptrednerin Angela Merkel kommt die neue CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer nach Vorpommern. Und alle werden ganz genau zuhören, ob in ihrer Fastenpredigt die Toilette für das dritte Geschlecht eine – und sei es auch nur indirekte – Erwähnung findet.

Macron appelliert - Merkel schweigt

Auch eine Art politische Kanzelpredigt hat gestern der französische Präsident Emmanuel Macron europaweit verbreitet. In 28 Zeitungen des Kontinents erschien sein Appell für ein besseres Europa. Neu ist an dem Katalog der Vorschläge wenig, ansteckend für alle, denen die EU am Herzen liegt, liest es sich trotzdem. Dass das prompte Echo aus dem Kanzleramt ausblieb, hat aber wohl profane Gründe. Macrons Manifest ist der Auftakt zu seinem Europawahlkampf. Den intonieren CDU und CSU für ihren Spitzenkandidaten Manfred Weber lieber selber. Mein Kollege Albrecht Meier findet den Vorstoß aus Paris trotzdem verdienstvoll. Unser Gastautor, Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel, ist sogar begeistert.

Ehrlicher Rabauz: Klaus Kinkel ist tot

Was Klaus Kinkel dazu wohl gesagt hätte? Der Freidemokrat und einstige Außenminister, jetzt im Alter von 82 Jahren gestorben, gehörte zu einer ganz seltenen Art im Politiker-Zoo: Dem ehrlichen Raubauz. Unvergessen die Geschichte, wie Kinkel in einer Euro-Sitzung dem widerspenstigen spanischen Kollegen androhte, er werde ihm – tja, und da gehen nun die Zeugenaussagen auseinander. „Das Rückgrat brechen“, verstand etwa der Franzose. Aber ein Ohrenzeuge schwor damals, dass der Originalton ein genuschelt schwäbisches „die Gräten brechen“ war, das erst in der Übersetzung in verschiedene europäische Hochsprachen zum Gewaltakt mutierte.

Gemeinnützige Rechtsaußen-Vereine?

Dass der Bundesfinanzhof den Globalisierungskritikern von Attac die Gemeinnützigkeit abspricht, hat für Unmut bei vielen Organisationen mit ähnlichem Anliegen gesorgt. Der dürfte noch größer werden, wenn sie lesen, dass mancher weit rechts außen agierende Verein die fürs Spendenaufkommen so nützliche Steuervergünstigung ungehindert in Anspruch nimmt, etwa die Vereine Uniter oder Jouwatch. Was die obersten Finanzrichter Attac ankreiden – zu wenig halbwegs neutrale Bildungsarbeit, zu viel parteienähnliche Agitation -, dürfte für diese Gruppen erst recht gelten. Aber die zuständigen Finanzämter sind mit der Prüfung wohl oft überfordert, und die Mühlen der Justiz mahlen langsam.

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