• Hilfe bei Produktionsausfällen: Kurzarbeit soll in Zeiten der Corona-Krise Entlassungen verhindern

Hilfe bei Produktionsausfällen : Kurzarbeit soll in Zeiten der Corona-Krise Entlassungen verhindern

In der Wirtschaftskrise 2008/2009 sicherte die Kurzarbeit etliche Arbeitsplätze in Deutschland. Nun setzt die Regierung wieder auf dieses Instrument.

Cordula Eubel
Die Bundesregierung will Kurzarbeit ausweiten.
Die Bundesregierung will Kurzarbeit ausweiten.Foto: Michael Reichel/dpa

Mit der Ausweitung der Kurzarbeit will die Bundesregierung dazu beitragen, dass Unternehmen nicht durch Produktionsausfälle Mitarbeiter entlassen müssen. SPD und Union verständigten sich darauf, dieses Instrument vorübergehend attraktiver zu machen, so dass Betriebe im Krisenfall schnell darauf zurückgreifen können. Die Neuregelungen sollen an diesem Mittwoch im Kabinett beschlossen werden und in der ersten Aprilhälfte in Kraft treten.

So können Firmen Kurzarbeit beantragen
Wenn ein Betrieb wegen Lieferengpässen die Produktion drosseln muss, kann er einen Teil seiner Mitarbeiter oder auch die gesamte Belegschaft in Kurzarbeit schicken, also Arbeitszeiten reduzieren. Dafür muss er bei der Arbeitsagentur Kurzarbeit beantragen und darlegen, warum es zu einem vorübergehenden Arbeitsausfall kommt. Schon jetzt gibt es das Instrument, doch die Bundesregierung will es wegen der Ausbreitung des Coronavirus vorübergehend bis Ende 2021 ausweiten. Betriebe sollen Kurzarbeitergeld schon dann nutzen können, wenn nur zehn Prozent der Beschäftigten vom Arbeitsausfall betroffen sind. Bisher lag der Schwellenwert bei einem Drittel. Auch Leiharbeiter sollen Kurzarbeitergeld bekommen können. Die Bundesagentur für Arbeit soll außerdem die Sozialversicherungsbeiträge vollständig und nicht nur hälftig übernehmen. Das macht es für Unternehmen finanziell attraktiver. Insgesamt soll das Instrument bis zu 24 Monate eingesetzt werden können.

Das erhalten Arbeitnehmer
Wenn Unternehmen Kurzarbeit beantragen und die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter reduzieren, erhalten diese auch weniger Gehalt. Doch mit dem Kurzarbeitergeld erstattet die Arbeitslosenversicherung zumindest einen Teil des Netto-Verdienstausfalls – nämlich 60 Prozent. Lebt mindestens ein Kind mit im Haushalt, so sind es 67 Prozent. In welchem Umfang die Arbeitszeit reduziert wird, hängt von der Auftragslage ab und den Vereinbarungen, die im Unternehmen getroffen werden. Im Extremfall gibt es „Kurzarbeit null“, die Arbeit wird dann vorübergehend komplett eingestellt. Das könnte zum Beispiel dann der Fall sein, wenn ein Betrieb auf behördliche Anordnung schließen muss.

So half Kurzarbeit in der Finanzkrise
Während viele EU-Länder, vor allem in Südeuropa, deutlich unter den Folgen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise in den Jahren 2008 und 2009 litten, gingen deutsche Unternehmen relativ unbeschadet daraus hervor. Das lag auch an der massiven Ausweitung der Kurzarbeit, die einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen verhinderte. Zwischenzeitlich waren mehr als eine Million Arbeitnehmer in Kurzarbeit. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman sprach von einem „deutschen Beschäftigungswunder“.

Wie viele Entlassungen auf diesem Wege tatsächlich verhindert werden konnten, da gehen die Schätzungen auseinander. Mindestens 300 000 waren es, das sind sich Ökonomen weitgehend einig. Arbeitsmarktforscher argumentieren, dass sich Kurzarbeit für Betriebe schon deswegen lohne, weil sie sich Entlassungs- und Wiedereinstellungskosten sparen. Die Mitarbeiter wiederum müssten zwar vorübergehend Einkommensverluste in Kauf nehmen, doch immerhin behielten sie in Krisenzeiten ihren Arbeitsplatz. Ähnlich wie in Zeiten der Finanzkrise verfügt die Bundesagentur für Arbeit über ordentliche finanzielle Reserven, diese liegen momentan bei 25 Milliarden Euro.

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