Interview mit Katja Suding : FDP - Für Frauen nicht attraktiv

Eine Arbeitsgruppe soll herausfinden, warum es für Frauen so schwer ist, in der FDP Karriere zu machen. Eine, die es geschafft hat, ist Katja Suding. Sie ist Landeschefin in Hamburg und eine der Stellvertreterinnen von Lindner.

Katja Suding posiert vor einigen Jahren in Hamburg mit Christian Lindner (rechts) und Wolfgang Kubicki (links).
Katja Suding posiert vor einigen Jahren in Hamburg mit Christian Lindner (rechts) und Wolfgang Kubicki (links).Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Frau Suding, ist die FDP eine Männerpartei?

Die FDP ist eine Partei, die einen zu geringen Anteil an Frauen hat.

 

Warum interessieren sich Frauen nicht für die FDP?

Unsere Wählerschaft unterscheidet sich nicht so wesentlich von anderen Parteien. Manche werden von mehr Frauen als von Männern gewählt, bei anderen ist es ausgeglichen oder auch umgekehrt. Bei uns stammen rund 60 Prozent der Stimmen von Männern, 40 von Frauen. Allerdings sieht das Bild bei den Mitgliedern und den Mandatsträgern anders aus - schlechter.

 

Spricht die FDP eine Sprache, die Frauen nicht verstehen?

Ich fühle mich als optimistischer und freiheitsliebender Mensch von der FDP sehr angesprochen. Dennoch, die geringe Vertretung von Frauen in der Partei beschäftigt uns schon seit Jahren. Nun wird sich eine Arbeitsgruppe damit beschäftigen, Ursachen zu suchen und Lösungen zu finden.

 

Nach dem Rauswurf der FDP aus dem Bundestag hat der Vorsitzende Christian Lindner vier Jahre lang an einer Neuaufstellung gearbeitet. Wurden die Frauen dabei vergessen?

Nein. Uns war immer bewusst, dass wir bei Frauen nicht so gut punkten.

 

Warum widmen Sie sich dann erst jetzt dem Problem? Andere Parteien befassen sich seit langem damit.

Allerdings nicht immer mit Erfolg. Der Anteil der Frauen im Bundestag bei CDU, CSU und AfD ist auch nicht sehr hoch. An der Parteispitze sind die Freien Demokraten schon mehrheitlich weiblich: Wir haben einen Bundesvorsitzenden, einen Stellvertreter und zwei Stellvertreterinnen. Dazu kommt die Generalsekretärin.

 

Haben sich die Frauen in der FDP-Führung nicht ausreichend für das eigene Geschlecht eingesetzt?

Nein, das ist zu einfach. Ich bin Vorsitzende des Landesverbandes Hamburg und stellvertretende Vorsitzende der FDP. In Hamburg ist der Anteil der Frauen im Landesvorstand zwar überproportional hoch, ihr Anteil in der Mitgliedschaft und in der Wählerschaft aber nicht höher als im Bundesdurchschnitt.

 

Und Sie wissen nicht, wie man das ändern kann?

Wenn ich eine Lösung hätte, dann wäre das längst anders und wir bräuchten die Arbeitsgruppe nicht. Ich denke, wir müssen unsere Außendarstellung kritisch ansehen. Wir sollten über andere Formen der Parteiarbeit nachdenken. Ich erlebe, dass gerade Frauen stundenlange, ineffiziente Parteiversammlungen nicht akzeptieren. Kein Wunder, Frauen tragen ja bekanntlich neben dem Job noch immer die Hauptlast im Haushalt und bei der Betreuung der Kinder.

 

Warum sperren Sie sich gegen die Einführung einer Quote, mit der Frauen in den Gremien der Partei stärker berücksichtigt werden?

Ich sperre mich gegen die Behauptung, Frauen könnten es nur mit einer Quote in die Gremien einer Partei schaffen. Ich halte die Quote für das falsche Instrument, weil ich überzeugt bin, Frauen und Männer sollten sich gleichermaßen dem Wettbewerb stellen. Die Besten sollen sich durchsetzen.

Bevor wir über Quoten in der FDP reden, sollten wir erst einmal alle anderen Möglichkeiten größerer Teilhabe ausloten. Wenn sich mehr Frauen bewerben, werden auch mehr Frauen gewählt. Die Quote kann nur das allerletzte Mittel sein.

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