• Interview mit Katrin Göring-Eckardt: "Bei den Piraten gibt es eine eher elitäre Beteiligung"

"Claudia Roth hat leidenschaftliche Fans."

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Interview mit Katrin Göring-Eckardt : "Bei den Piraten gibt es eine eher elitäre Beteiligung"

Darf Politik verletzend sein – etwa der Begriff Herdprämie für das Betreuungsgeld?

Menschen, die für die Betreuung ihrer kleinen Kinder gern und freiwillig zu Hause bleiben, empfinden den Begriff mitunter verletzend. Ich verwende ihn daher nicht.

Bei Ihrer Warnung vor überzogenen Attacken müssen wir an Claudia Roth denken. Meinten Sie damit die Parteichefin?

Nein. Claudia Roth hat keinen überzogenen Konfrontationsstil, sondern eine eigene Sprache. Sie hat leidenschaftliche Fans, weil sie leidenschaftlich für die Sache kämpft. Sie kann zuhören und Probleme aufnehmen wie nicht viele andere Politikerinnen.

Was halten Sie von der Idee einer Urwahl der Spitzenkandidaten?

Ich beobachte hierzu in den Landesverbänden einiges an Skepsis. Das kann ich gut verstehen. Der Wunsch ist bei vielen stark, jetzt vor allem über Inhalte in die Offensive zu kommen und hierüber mitzubestimmen.

Bedeutet Grün für Sie eigentlich nur Politik oder auch Lebenskultur?



Ich persönlich finde es stressfreier, Zug zu fahren als Auto. Und wenn Auto sein muss, dann bei mir lieber ein kleines. Auch das strengt weniger an, weil es eben eher ein Gebrauchsgegenstand ist. Ich genieße gutes Essen und das sind eben jetzt Erdbeeren von nebenan und nicht an Weihnachten, da schmecken sie eh nicht. Und dass faire Bedingungen für Kaffeebauern etwas mit meinem Genuss zu tun haben, ist eine Einsicht, die ich gern achte.

Lautet Ihre Botschaft: Man kann auch mit weniger genießen?

Meine Botschaft heißt: Man kann mit weniger mehr genießen! Oder kennen sie jemanden, der ein Zehn-Gänge-Menü als Lieblingsessen hat?

Das Gespräch führten Cordula Eubel und Hans Monath. Das Foto machte Doris Spiekermann-Klaas.

POLITIKERIN

Katrin Göring-Eckardt (46) ist seit 2005 Vizepräsidentin des Bundestags. Zuvor leitete sie als eine von zwei Vorsitzenden die

Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.

CHRISTIN

Die Thüringerin studierte vor der Wende in Leipzig Theologie, schloss das Studium aber nicht ab. Die mit einem Pfarrer verheiratete Politikerin, die gern von werteorientierter Politik spricht, ist Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland.

ANWÄRTERIN

Nach dem Rücktritt von Christian Wulff als Bundespräsident galt die Politikerin als mögliche Nachfolgrerin. Auch bei der Suche nach einer Spitzenkandidatin der Grünen für 2013 neben Jürgen Trittin wird ihr Name häufig genannt.

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