Irak : Saddams Stellvertreter hingerichtet

Ein weiterer Gefolgsmann des irakischen Ex-Präsidenten Saddam Hussein, Taha Jassin Ramadan, ist hingerichtet worden. Vier Jahre nach Beginn des Krieges schrumpft die Zustimmung in der US-Bevölkerung für Bushs Irak-Strategie weiter.

Bagdad/Washington - Ramadan sei um 3:05 Uhr Ortszeit gehängt worden, sagte ein Mitarbeiter von Ministerpräsident Nuri al Maliki. Der Sunnit Ramadan war wie auch Saddam Hussein in dem Prozess um das Massaker an 148 schiitischen Bewohnern des Dorfes Dudschail im Jahr 1982 verurteilt worden. Saddam Hussein wurde am 30. Dezember wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit hingerichtet. US-Präsident George W. Bush rief die Amerikaner angesichts des wachsenden Widerstands gegenüber seiner Irak-Strategie zur Geduld auf

Die Hinrichtung sei ohne Zwischenfall und nach Recht und Gesetz vonstatten gegangen. Bei der Exekution Saddam Husseins hatten Schmähungen des Delinquenten durch mehrere Anwesende und illegale Filmaufnahmen von der Erhängung sowohl im Irak als auch international für Empörung gesorgt. Auch bei der Exekution der Vertrauten Saddam Husseins, Barsan al Tikriti und Awad al Bandar, kam es zu einem Zwischenfall: Barsans Kopf wurde durch den Strang vom Rumpf getrennt.

Neue Sicherheitsstrategie dauert Monate

Der 1938 geborene Ramadan war in einem ersten Urteil im November vergangenen Jahres zunächst zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Nach einem Antrag der Staatsanwaltschaft, der die Strafe zu milde war, war Ramadan am 12. Februar für vorsätzliche Tötungen zum Tod durch den Strang verurteilt worden. Sein Anwalt Badie Aref hatte am Montagabend bestätigt, dass Ramadan mit seiner Familie telefonieren durfte und Angehörige und Freunde um Gebete für ihn gebeten habe. Er habe keine Angst vor dem Tod, habe der frühere Vizepräsident gesagt.

In einer kurzen TV-Ansprache am Vorabend des vierten Jahrestag des US-geführten Einmarsches in den Irak sagte Bush, für die im Irak stationierten Soldaten sei es noch nicht an der Zeit, "zu packen und nach Hause zu gehen". Die neue Sicherheitsstrategie für Bagdad werde "Monate, nicht Tage oder Wochen" dauern, bis sie Wirkung zeige. Aufgrund der Herausforderungen im Irak könnte man versucht sein, einen raschen Abzug als "beste Option" anzusehen, sagte Bush nach einer Videokonferenz mit dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri al Maliki. Kurzfristig möge dies zufriedenstellend sein, die Konsequenzen für Amerikas Sicherheit aber wären verheerend, warnte der US-Präsident. Die neue Sicherheitsstrategie für Bagdad sei erst in der Anfangsphase. Müssten die US-Soldaten jetzt gehen, würde die Gewalt das gesamte Land und schließlich auch die Region erfassen und der Irak zum "sicheren Hafen" für Terroristen werden.

Große Mehrheit der Iraker lehnt die Anwesenheit der US-Truppen ab

In einem starken Kontrast zu Bushs Ausführungen stehen die Ergebnisse einer Umfrage unter 2000 Irakern, die das Meinungsforschungsinstitut D 3 Systems im Auftrag von WDR/ARD, ABC News, BBC und der Zeitung USA Today vorgenommen hatte. In einer von Gewalt und einem fast vollständigen Zusammenbruch der zivilen Infrastruktur geprägten Gegenwart glauben nur noch 42 Prozent der Befragten, dass es ihre Kinder einmal besser haben werden. Kurzfristig rechnet sogar nur etwas mehr als ein Drittel der Iraker damit, dass sich ihre Lage deutlich oder teilweise verbessert. 78 Prozent lehnen inzwischen die Präsenz ausländischer Truppen ab. Bei früheren Umfragen in den Jahren 2004 und 2005 hatten noch rund 80 Prozent der Befragten mit Optimismus in die Zukunft geblickt.

Auch innerhalb der US-Bevölkerung schrumpft die Zustimmung zu Bushs Irak-Strategie weiter. Nach einer am Montag veröffentlichten CNN-Umfrage befürworten nur noch 32 Prozent der US-Bürger den Krieg; kurz nach seinem Beginn am 20. März 2003 waren es noch 72 Prozent. In mehreren US-Städten hatten am Wochenende zehntausende Menschen gegen den Krieg im Irak demonstriert. (tso/AFP)

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