Iran setzt Teile des Atomdeals außer Kraft : Trumps Poker kann gefährliche Folgen haben

Der Iran steigt teils aus dem Atomabkommen aus, Amerika rüstet in der Golfregion auf. Das birgt ein enormes Risiko – vor allem für die USA. Ein Kommentar.

US-Präsident Trump setzt auf einen harten Kurs gegenüber dem Iran.
US-Präsident Trump setzt auf einen harten Kurs gegenüber dem Iran.Foto: Brendan Smialowski/AFP

Es ist eine bange Frage. Und sie reicht weit über die Region hinaus. Wird der Nahe Osten schon bald von einem neuen Krieg erschüttert?

Die Zeichen stehen schon seit einem Jahr auf Sturm. Wenigstens. Am 8. Mai 2018 kündigte Donald Trump einseitig das Atom-Abkommen mit dem Iran. Für ihn ist die Übereinkunft, die Vorgänger Barack Obama zu den größten Erfolgen seiner Amtszeit zählt, der schlechteste Deal aller Zeiten.

Nun setzen auch die Iraner Teile der Übereinkunft außer Kraft. Es braucht keine prophetischen Gaben, um vorauszusagen, dass sich Teheran schon sehr bald gar nicht mehr ans Abkommen gebunden fühlt. Den religiösen und politischen Scharfmachern gilt der Atomdeal ohnehin schon lange als Schande. Das verbindet sie mit den Falken in Washington.

Geht das Regime in Teheran in die Knie?

Doch geht deren Rechnung auf, der Iran werde bald aufgrund des Drucks das Knie beugen und zu einer Neuverhandlung des Atomabkommens bereit sein? Klar, dem Land und damit auch dem Regime machen die wirtschaftlichen Strafmaßnahmen sehr zu schaffen.

Irans Präsident Ruhani ist einer der Architekten des Atomabkommen, an das sich sein Land teilweise nicht mehr gebunden fühlt.
Irans Präsident Ruhani ist einer der Architekten des Atomabkommen, an das sich sein Land teilweise nicht mehr gebunden fühlt.Foto (Archiv): AFP

Der Unmut in der Bevölkerung ist ebenso groß wie der Frust. Immer mehr Menschen verarmen, sie finden keinen Job. Wissen nicht mehr, wie sie ihre Familien über die Runden bringen sollen – und machen dafür zunehmend die eigene Führung mitverantwortlich. Aber diese Wut dürfte derzeit nicht ausreichen, um die Machthaber ernsthaft in Bedrängnis zu bringen – worauf Trump spekuliert.

Vielmehr könnte die Bedrohung durch Amerika dazu führen, dass sich die Iraner mit patriotischem Pathos hinter den Mullahs versammeln. Denn täusche sich keiner: Die USA unter Trump haben in der Islamischen Republik einen schlechten Ruf. Viele sehen sich in ihren ideologischen Vorbehalten gegenüber dem „großen Satan“ bestätigt.

Amerika schickt jetzt den Flugzeugträger Abraham Lincoln in die Krisenregion.
Amerika schickt jetzt den Flugzeugträger Abraham Lincoln in die Krisenregion.Foto: REUTERS

Allerdings liegt der Präsident mit einigen seiner Vorwürfe in Richtung Teheran richtig. Es werden nicht nur Terrorgruppen finanziert, sondern der Iran ist zudem an fast allen Konflikten im Nahen Osten direkt oder indirekt beteiligt. Syrien, Irak, Jemen, Libanon – die Mullahs versuchen massiv, ihr Einflussgebiet auszudehnen. Und drohen Israel seit Jahren mit Vernichtung. Das forcierte iranische Raketenprogramm trägt auch nicht gerade zur Beruhigung bei.

Reicht das alles als Argument aus, um den Nahen Osten in einen Krieg und damit ins Chaos zu stürzen? Die Antwort kann nur lauten: Nein. Wer wie Trump hoch pokert und womöglich blufft, kann eben krachend verlieren.

Das heißt, ein bewaffneter Konflikt birgt für Amerika ein enormes Risiko. Denn Irans reguläre Armee und vor allem die hochgerüsteten Revolutionsgarden sind nicht irgendeine Terrortruppe a la Hamas. Wenn es zum Kampf kommt, wird es ein sehr harter. Einer, der enorme Auswirkungen auf den Welthandel - Stichwort Ölexporte- haben dürfte. Das weiß der Geschäftsmann Trump genau. Ob ihn das von unkalkulierbaren Schritten abhält, ist eine andere Frage.

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