Irland : Generationswechsel an Spitze der Sinn-Fein-Partei

Nach gut 35 Jahren an der Spitze der Sinn-Fein hat Gerry Adams die Führung der irischen Partei an seine bisherige Stellvertreterin Mary Lou McDonald abgegeben.

Mary Lou McDonald, neue Parteichefin von Sinn-Fein.
Mary Lou McDonald, neue Parteichefin von Sinn-Fein.Foto: Clodagh Kilcoyne/Reuters

Die katholische Sinn-Fein-Partei in Irland wird künftig von einer Frau geführt. Nach knapp 35 Jahren übergab Parteichef Gerry Adams den Vorsitz am Samstag in Dublin an seine bisherige Stellvertreterin Mary Lou McDonald. Die 48-Jährige versprach der Partei frisches Denken und mutige Ideen. Sinn Fein sei die einzige Partei, die die Teilung überwinden und ein vereintes Irland schaffen könne.

Den bisherigen Parteivorsitzenden Adams würdigte McDonald als ihren politischen Mentor. Adams trat auf eigenen Wunsch vom Parteivorsitz zurück. Schon bei einem Parteitag im November hatte der 69-Jährige erklärt, nicht mehr für eine weitere Amtszeit zu kandidieren. Sinn Fein tritt in beiden Teilen der Insel an: sowohl im britischen Nordirland als auch in der Republik Irland.

Die Lage auf der Insel ist angespannt. Das Zerbrechen der überkonfessionellen Koalitionsregierung in Nordirland vor einem Jahr und der EU-Austritt Großbritanniens stellen den Friedensprozess in Frage. Viele Menschen in der Ex-Bürgerkriegsregion fürchten nach dem Brexit Grenzkontrollen an der neuen EU-Außengrenze zwischen Nordirland und der Republik Irland sowie wirtschaftliche Einbußen.

Adams ist einer der Architekten des Karfreitagsabkommens von 1998, das den Nordirland-Konflikt weitgehend beendete. Er war das markante Gesicht der nordirischen Katholiken, die eine Loslösung von Großbritannien und eine Vereinigung mit Irland anstreben. Ihm wird aber auch eine Führungsrolle in der Untergrundorganisation IRA nachgesagt, die für etwa 1700 Opfer im Nordirland-Konflikt verantwortlich gemacht wird. Er bestreitet das.

Jüngere Politiker hoffen, mit dem Abgang der alten Garde die blutige Vergangenheit hinter sich lassen zu können. (dpa/AFP)

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