Isabel dos Santos : Ist Afrikas reichste Frau eine Betrügerin?

Isabel dos Santos gilt als reichste Frau Afrikas. Geht es nach der angolanischen Regierung, ist es mit ihrem Luxusleben aber bald vorbei.

In der Kritik: Die Milliardärin Isabel dos Santos.
In der Kritik: Die Milliardärin Isabel dos Santos.Foto: AFP

Ihre Worte klingen wie aus einem Ratgeberbuch. „Wenn du hart arbeitest und fest entschlossen bist, dann wirst du es schaffen.“

Mit Sätzen wie diesem lässt sich Isabel dos Santos gerne zitieren. Die studierte Elektroingenieurin tritt damit bei Wirtschaftsgipfeln auf und verbreitet ihre Botschaft in Internetvideos – immer makellos geschminkt, elegant gekleidet und mit einem freudigen Lächeln.

Ein Image mit deutlichen Rissen

Auf mehr als zwei Milliarden US-Dollar wird ihr Vermögen geschätzt, die 46 Jahre alte Unternehmerin gilt als reichste Frau Afrikas. Das alles habe sie selbst erwirtschaftet, betont die älteste Tochter des angolanischen Ex-Präsidenten José Eduardo dos Santos, der das Land bis 2017 fast 40 Jahre lang autokratisch regierte.

Doch ihr Image als erste afrikanische Self-made-Milliardärin hat deutliche Risse bekommen.

Isabel dos Santos steht unter schwerem Korruptionsverdacht. Sie soll ihr ölreiches Heimatland Angola, in dem ein Drittel der knapp 30 Millionen Einwohner mit weniger als zwei Dollar pro Tag auskommen muss, skrupellos ausgebeutet haben – mithilfe eines undurchsichtigen Netzwerks von rund 400 Firmen weltweit. Auch mit einer Tochterfirma der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau soll sie Geschäfte gemacht haben.

Insgesamt reichen die Vorwürfe von der Veruntreuung von Staatsgeldern bis hin zu Vetternwirtschaft. Während der Amtszeit ihres Vaters soll dos Santos lukrative Staatsaufträge erhalten und sich in dubiose Öl- und Diamantendeals verstrickt haben. Sie streitet das alles ab.

Unter dem Schlagwort „Luanda Leaks“ sorgt der Skandal inzwischen weltweit für Schlagzeilen – auch, weil die Verbindungen bis weit in die Banken- und Geschäftsviertel westlicher Hauptstädte reichen. Hier sitzen dos Santos’ Komplizen: Banker, Notare, Immobilienhändler. Sie haben dos Santos und ihren Ehemann, den kongolesischen Kunstsammler und Unternehmer Sindika Dokolo, jahrelang hofiert. Spätestens seit die beiden 2003 in Luanda eine vier Millionen Dollar teure Hochzeitsfeier schmissen, zählt das Paar zu den regelmäßigen Gästen auf Promi-Partys in aller Welt.

Ihr Luxusleben könnte jedoch bald vorbei sein. Die Generalstaatsanwaltschaft hat dos Santos’ Vermögen eingefroren und ermittelt gegen die Milliardärin. Die zeigt sich allerdings demonstrativ gelassen – und verbreitet bei Twitter weiterhin Sprüche wie aus dem Ratgeberbuch: „Der Weg ist lang, die Wahrheit wird sich durchsetzen.“

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