Islam : Der ko(s)mische Kampf um die Weltherrschaft

Von Amnesty-Sympathisanten, nostalgischen Multikultifans und fundamentalistischen Katholiken: Im Internet wird weiter heftig über mögliche Gefahren des Islam gestritten. Eine Nachlese von Malte Lehming

Droht Deutschland eine "stille Islamisierung", wie der "Spiegel" in seiner neuesten Ausgabe fragt? Leider bleibt das Magazin die Antwort schuldig. Einerseits zitiert es, anlässlich der Frankfurter Justizaffäre um eine verprügelte muslimische Frau, eine Reihe ähnlich kruder Gerichtsentscheidungen, räumt dann aber ein, dass "höhere Instanzen solche Urteile meist aufheben". Sicher ist nur eins: Der Streit wird unübersichtlich. In der alarmistischen Ecke tummeln sich Amnesty-Sympathisanten, Emma-Leserinnen, fundamentalistische Katholiken und konservative Islam-Hasser. Den beschwichtigenden Part haben nostalgische Multikultifans und solitäre Figuren wie der Berliner Anwalt Jony Eisenberg übernommen. Er verteidigt in der tageszeitung die Frankfurter Familienrichterin, die sich in einer Scheidungsangelegenheit auf den Koran (Sure 4, Vers 34) berufen hatte. Anders, als etwa die "notorischen türkischstämmigen Frauenrechtlerinnen" meinen, sei es "eine Schweinerei", dass sich Justizkundige nicht vor die Richterin und deren Recht auf eine unabhängige Entscheidung gestellt hätten.

Dieser These stimmt Udo Ulfkotte, Ex-Faz-Redakteur und "Terror-Experte", nicht zu. Er hat gewissermaßen das Buch zum "Spiegel"-Titel geschrieben ("Heiliger Krieg in Europa") und will eine anti-islamische Partei gründen, Arbeitstitel: "Christlich-Ökologische Partei". Sie soll bereits 2008 zur Hamburger Bürgerschaftswahl antreten und hervorgehen aus dem Verein Pax Europa. Der listet jede islamkritische Meldung aus Europa akribisch auf ("Großbritannien: Mit der Schleier in die Sauna" oder "Belgien: Konvertitin wird depressiv und schneidet fünf Kindern die Kehle durch").

In den USA befeuerte die Islam-Diskussion vor drei Wochen der 90-jährige Bernard Lewis. Beim "American Enterprise Institute" hielt er eine Dankesrede für den Irving Kristol Award 2007. In ihrem "kosmischen Kampf um die Weltherrschaft", so Lewis, hätten die Muslime zwei Strategien entwickelt, um Europa anzugreifen - "Terror und Einwanderung". Selbst die Kreuzzüge seien nur eine "späte, begrenzte und erfolglose Imitation des Dschihad" gewesen. Im Online-Magazin Slate.com mokiert sich Jacob Weisberg über die Lewis-Rede. "Hier saßen die Theoretiker des Irakkriegs, viele davon Juden, und applaudierten der Behauptung, dass die Kreuzzüge nicht so schlimm waren." ()

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!