Politik : Israels Botschafter rügt Bischöfe

Zentralrat der Juden sieht Antisemitismus

Claudia Keller

Berlin - Der israelische Botschafter in Deutschland, Shimon Stein, hat „mit Entsetzen und Empörung“ auf Äußerungen katholischer Bischöfe reagiert. Bei der Reise im Heiligen Land hatten Bischöfe am Wochenende die Besatzungspolitik Israels gegenüber den Palästinensern kritisiert. Bischof Gregor Maria Hanke hatte das Warschauer Ghetto mit dem „Ghetto Ramallah“ verglichen, Bischof Walter Mixa von „Rassismus“ gesprochen.

„Wenn man Begriffe wie ,Warschauer Ghetto’ oder ,Rassismus’ im Zusammenhang mit der israelischen beziehungsweise palästinensischen Politik benutzt, hat man alles vergessen oder nichts gelernt und moralisch versagt“, sagte Shimon Stein. Anstatt sich in „Demagogie zu üben“, hätten sich die Bischöfe über die Ursachen für die „erzwungenen und notwendigen Sicherheitsmaßnahmen“ Israels informieren müssen und Angehörige von Terroropfern treffen können. „Es ist entsetzlich, dass die Nachfahren von Holocaust-Opfern zu Tätern gemacht werden“, sagte Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland. Durch die Entgleisungen sei die berechtigte Kritik der Bischöfe am Umgang Israels mit den Palästinensern entwertet worden. Zentralrats-Vize Dieter Graumann warf Bischof Hanke Antisemitismus vor. Die Bischofskonferenz wies die Vorwürfe zurück. Ihr Vorsitzender Kardinal Karl Lehmann habe während der Reise wiederholt das Recht Israels auf Anerkennung seiner Existenz und sichere Grenzen ohne Terror betont. Aus der emotionalen Betroffenheit heraus seien „einige wenige sehr persönliche Bemerkungen“ gefallen, sagte der Generalsekretär der Bischofskonferenz. Bischof Hanke betonte erneut das Existenzrecht Israels. „Vergleiche zwischen den Geschehnissen des Holocaust und der gegenwärtigen Situation sind nicht annehmbar und waren nicht beabsichtigt.“

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