Italienische Protestbewegung : Der Erfolg der "Sardinen"

Die Protestbewegung "Sardinen" bekommt in Italien weiterhin großen Zulauf – inzwischen ist auch das Interesse linker Parteien geweckt.

Zwei Demonstranten küssen sich bei der Kundgebung in der italienischen Hauptstadt unter einem Sardinen-Symbol.
Zwei Demonstranten küssen sich bei der Kundgebung in der italienischen Hauptstadt unter einem Sardinen-Symbol.Foto: dpa/Klaus Blume

Es war eine friedliche, vergnügte Demonstration: Statt der sonst üblichen Parteifahnen dominierten Kartonschilder mit selbstgemalten Sardinen und mehr oder weniger kreativen Slogans, die sich hauptsächlich gegen Lega-Chef und Ex-Innenminister Matteo Salvini richteten. „Sardinen gegen Faschismus und Intoleranz“ oder „Lieber in Öl eingelegt als hereingelegt“ war etwa auf den Plakaten zu lesen. Es gab kaum Sprechchöre, dafür wurde vor allem das Partisanenlied „Bella Ciao“ gesungen. Alles wirkte improvisiert, die Rednerbühne war zu klein und die Lautsprecher waren zu schwach, um richtig zu verstehen, was gesagt wurde.

Die Kundgebung der „Sardinen“ fand auf der vor der Lateransbasilika in Rom statt. Zu der Kundgebung der noch jungen Bewegung auf der Piazza San Giovanni kamen rund 100.000 Menschen. Unter den Teilnehmern befanden sich vorwiegend Linkswähler, die sich von ihren untereinander zerstrittenen, kraftlosen Parteien abgewendet haben. Aber auch enttäuschte Anhänger der regierenden Fünf-Sterne-Bewegung sowie Nichtwähler, Jungsozialisten und Alt-68er strömten in Massen nach San Giovanni.

Mit der Bewegung der Sardinen sieht sich Lega-Chef Matteo Salvini in seinem Dauer-Wahlkampf wie aus dem Nichts mit Widerstand konfrontiert. Die erste Kundgebung hatte erst vor einem Monat in Bologna stattgefunden – und auf Anhieb 15000 Menschen mobilisiert. Organisiert wurde die erste Demonstration vom 32-jährigen Ökonomen und Sportlehrer Mattia Santori und drei Freunden – als Flash Mob, also als spontaner Menschenauflauf, zum dem über Facebook und andere soziale Medien aufgerufen worden war. Seither haben in ganz Italien in über hundert weiteren Städten solche Flash Mobs der „Sardinen“ stattgefunden. „Wir wollen eine Botschaft verbreiten: Wir sind sind zusammengepfercht wie Sardinen, weil wir so viele sind“, betont Santori. Die Bewegung wolle Lega-Chef Salvini demonstrieren, dass seine Hetzkampagne gegen Migranten und private Retter nicht von allen unterstützt werde.

Auch die Fünf-Sterne-Bewegung kann sich vorstellen, mit den "Sardinen" zusammenzuarbeiten

Angesichts der Erfolge der Flash Mobs konnten die Versuche linker Parteien, die „Sardinen“ zu vereinnahmen, nicht ausbleiben. Die Bewegung mache „gute Vorschläge, die wir mit aller Kraft umsetzen wollen“, säuselte etwa Nicola Zingaretti, der Vorsitzende der sozialdemokratischen Regierungspartei PD. Der Politikchef der Fünf-Sterne-Bewegung, Außenminister Luigi Di Maio, erklärte, dass er sich gut vorstellen könne, mit den „Sardinen“ zusammenarbeiten. Bisher haben sich diese dem Werben nicht nachgegeben. Vorerst ist laut Santori nicht geplant, die „Sardinen“ in eine Partei zu verwandeln. In Rom hatte er aber einige politische Vorschläge verkündet. So forderte er mit Blick auf Ex-Innenminister Salvini, dass sich regierende Politiker ihrem Amt zu widmen hätten, statt Dauerwahlkampf zu betreiben.

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