• Jahrestag der „Regenschirmbewegung“: Polizei geht gegen radikale Aktivisten in Hongkong vor

Jahrestag der „Regenschirmbewegung“ : Polizei geht gegen radikale Aktivisten in Hongkong vor

Vor fünf Jahren entstand in Hongkong die Demokratiebewegung, deren Symbol der Regenschirm wurde. Am Jahrestag kommt es zu Zusammenstößen.

Demonstranten mit Regenschirmen in Hongkong 
Demonstranten mit Regenschirmen in Hongkong Foto: Reuters/Jorge Silva

Nach einer friedlichen Kundgebung von Zehntausenden zum fünften Jahrestag der „Regenschirmbewegung“ in Hongkong ist es am Samstag erneut zu Zwischenfällen mit radikalen Aktivisten gekommen. Die Polizei ging nahe dem Parlamentsgebäude mit Wasserwerfern und Pfefferspray gegen Demonstranten vor, die Brandsätze geworfen hatten. Zur gleichen Zeit endete im Tamar Park eine friedliche Kundgebung, die an den Beginn der Demokratiebewegung in der chinesischen Sonderverwaltungsregion im September 2014 erinnerte.

Die „Regenschirmbewegung“ erhielt ihren Namen von den Schirmen, die die Demonstranten damals gegen Sonne, Regen und das Pfefferspray der Polizei einsetzten. Über Wochen legten die Aktivisten mit Straßenblockaden Teile der asiatischen Wirtschafts- und Finanzmetropole lahm. Auslöser war die Entscheidung der kommunistischen Führung, nur handverlesene, pekingtreue Kandidaten für in Aussicht genommene Wahlen aufstellen zu wollen.

Aus Anlass des Jahrestages verkündete der Anführer der Bewegung, Joshua Wong, im November bei den Lokalwahlen antreten zu wollen. Es gebe „keinen Grund“, warum er disqualifiziert werden könnte, sagte der 22-Jährige. So sei er heute alt genug und habe bisher keine Haftstrafe von mehr als drei Monaten erhalten. Wegen seiner Beteiligung an der „Regenschirmbewegung“ hatte Wong zwei Monate Haft absitzen müssen; er war im Juni freigekommen.

An der Kundgebung im Tamar Park nahmen nach Angaben der Organisatoren 200.000 bis 300.000 Menschen teil. Schätzungen der Polizei lagen zunächst nicht vor, fallen in Hongkong aber meist extrem niedrig aus. Bei dem Polizeieinsatz am Parlamentsgebäude rückten Einsatzkräfte auf der Harcourt Road vor und räumten Straßenblockaden weg, während sich die Demonstranten zurückzogen. Der Wasserwerfer hatte wieder blau versetztes Wasser versprüht, um Aktivisten zu markieren.

Seit fünf Monaten demonstrieren die Hongkonger gegen ihre Regierung und den wachsenden Einfluss der kommunistischen Führung auf Hongkong. Sie fordern eine unabhängige Untersuchung von Polizeigewalt und freie Wahlen. Seit der Rückgabe 1997 an China wird die frühere britische Kronkolonie mit einem eigenen Grundgesetz nach dem Prinzip „ein Land, zwei Systeme“ autonom regiert. Die sieben Millionen Hongkonger stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber - anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit, um die sie jetzt fürchten. (dpa)
Der neue Morgenlage-Newsletter: Jetzt gratis anmelden!