Juan Guaidó in Venezuela : Rückkehr durch den Haupteingang

Die Opposition hat bewiesen, dass Präsident Maduro nicht mehr Herr aller Sicherheitskräfte im Land ist. Das ist ein Etappensieg für Guaidó. Ein Kommentar.

Tobias Käufer
Juan Guaido, selbst ernannter Interimspräsident von Venezuela
Juan Guaido, selbst ernannter Interimspräsident von VenezuelaFoto: Rafael Hernandez / dpa

Der Mann hat Mut: Trotz einer drohenden Verhaftung ist Venezuelas Oppositionsführer Juan Guaidó in sein Heimatland zurückgekehrt. Vielleicht fiel der Empfang durch seine Anhänger auch deshalb nur so begeistert aus, weil diese befürchtet hatten, dass sie wieder einmal einen Hoffnungsträger ihrer Bewegung an die regierungstreue Justiz verlieren würden. Wer die Bilder am Flughafen in Caracas gesehen hat, bekommt eine Ahnung davon, wieviel Hoffnung die Menschen in Guaidó setzen, die mit dem linken Maduro-System unzufrieden sind.

Mit Guaidós Rückkehr durch den Haupteingang – den internationalen Flughafen in Caracas – hat die Opposition bewiesen, dass Präsident Nicolas Maduro nicht mehr Herr aller Sicherheitskräfte im Land ist. Guaidó konnte trotz der gegen ihn verhängten Ausreisesperre das Land verlassen und ist nun trotz einer ziemlich offenen Drohung Maduros wieder ins Land zurückgekommen. Die zahlreichen EU-Botschafter, die zum symbolischen Empfang ebenso gekommen waren wie viele tausend Unterstützer mögen die Maduro-Sicherheitskräfte davon abgehalten haben, die Handschellen klicken zu lassen.

Dynamik nur im Land möglich

Das ist ein Etappensieg für Guaidó. Er konnte eine Rede an seine Anhänger halten und sie für den kommenden Samstag erneut zu Massenprotesten aufrufen. Diese Dynamik ist nur mit Guaidó im Land selbst möglich. Aus dem Exil heraus, wäre eine solche Strategie kaum zu fahren. Damit ist der Konflikt wieder zurück von der Grenze ins Land getragen.

Noch ist die Gefahr für Guaidó nicht vom Tisch. Es wird in den nächsten Tagen und Nächten auch Momente geben, in denen Guaidó nicht von seinen Anhängern oder Diplomaten vor einer Verhaftung geschützt werden kann. Aber nach dem geplatzten Transport der humanitären Hilfslieferungen vor über einer Woche hat Guaidó wieder das Heft des Handelns in der Hand. Mit seinem offensiven Auftritt hat er die Regierung Maduro wieder unter Druck gesetzt.

Von deren Reaktion hängt jetzt einiges ab. Bislang haben die Sozialisten stets jeden Widerstand im Keim erstickt und selbst keinerlei Signal der Entspannung gesetzt, mit der sie die Situation beruhigen könnten und ihrerseits die Opposition in Zugzwang zu bringen. Eines wäre beispielsweise die Freilassung der politischen Gefangenen.

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