"Man sollte den Menschen sehen - nicht seine Herkunft!"

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Jugendliche und die Integrationsdebatte : Serdar ist Deutscher
Isabelle Buckow

In diesem Jahr geht es Serdar Bulat und seinen 26 Kollegen vor allem um die Chancen und Risiken des Internets. Auch die Verbreitung von salafistischen und islamistischen Bewegungen ist in diesem Zusammenhang ein Thema. Erst am vergangenen Wochenende hatten Salafisten in mehreren deutschen Städten Koran-Übersetzungen verschenkt und damit für Kontroversen gesorgt. Das Problem: „Durch solche radikalen Gruppierungen wird der Islam negativ behaftet“, sagt Bulat. „Das wirft die Integrationsdebatte zwei Schritte zurück.“

An zwei Wochenenden haben die Teilnehmer deshalb einen Empfehlungskatalog erarbeitet. Darin: Zehn Vorschläge, wie die Arbeit der DIK und damit die Integration von Muslimen verbessert werden könnte. Insgesamt bezieht sich der Katalog auf die vier Themen Schule, Medien, Akzeptanz der Islamkonferenz sowie die Kooperation zwischen der DIK und den Mitgliedern der JIK.

Am Donnerstag will Serdar Bulat den Katalog im Rahmen der DIK Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) überreichen. Er hofft, dass sie mit ihren Empfehlungen etwas bewegen können – nicht nur innerhalb der DIK, sondern auch in der Öffentlichkeit. „Die DIK muss bekannter werden, vor allem unter Jugendlichen“, sagt Bulat. Er fordert vom Innenminister, Integration nicht nur an den Instrumenten Bildung, Arbeit und Sprache zu messen. „Der Identitätsaspekt ist genauso wichtig“, sagt er. „Viele Muslime sind deutscher, als sie es zugeben würden.“

Bulat sieht die "Junge Islam Konferenz" als Gegengewicht zu dem schubladenartigen Denken, das teilweise noch immer die Integrationsdebatte bestimmt. Geht es nach ihm, ist der Begriff ‚Integration’ völlig falsch besetzt. Viele würden die Islamkonferenz als Integrationskonferenz verstehen. Bulat ärgert sich: Lange Zeit sei über Religion gar nicht mehr geredet worden. „Doch jetzt gibt es plötzlich diese Debatte, dass sich die islamische Minderheit integrieren muss“, kritisiert er. „Und Friedrich ist der befangene Moderator.“

Er selbst habe sich nie als „Ausländer“ gesehen, erzählt Bulat. Er fühlt sich als Deutscher, seine Heimat ist Berlin. Hier wurde er geboren, hier wuchs er auf, hier leben seine Freunde. Seine Mutter kümmerte sich allein um seine Erziehung, sein Vater starb, als Bulat drei Jahre alt war. Bulat wuchs zweisprachig auf, das war seiner Mutter wichtig. Zuhause redete sie mit ihm türkisch. Wenn sie bei der Arbeit war, spielte er in der Laufkrippe und in der Kita mit deutschen Kindern.

Ausgegrenzt oder beschimpft wurde er nie, sagt Bulat. Auch nicht auf dem Gymnasium oder später während des Studiums. Die Bilder vom Brandanschlag in Solingen kann er trotzdem nicht vergessen. Er sieht sie noch immer vor sich: die Rauchschwaden des brennenden Hauses, die weinenden Menschen. Er will etwas bewegen, dazu beitragen, dass bestehende Vorurteile abgebaut werden – auch, damit die Integration von Muslimen langfristig gelingen kann. „Man sollte den Menschen sehen“, sagt er. „Nicht seine Herkunft.“

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