Politik : Kabinett stockt Mittel zur Aids-Bekämpfung auf

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Berlin - Die Bundesregierung will ihr Engagement im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids deutlich verstärken. Am Mittwoch billigte das Bundeskabinett einen Aktionsplan, wonach die Ausgaben dafür in diesem Jahr auf 400 Millionen Euro aufstockt werden. Das ist eine Erhöhung um rund ein Drittel. Der Plan sieht deutschland- und weltweit mehr Aufklärung und Prävention vor. Gleichzeitig rückt er das Thema ins Zentrum der EU- und G-8-Präsidentschaft.

„Prävention bleibt die oberste Maxime“, sagte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). Auch in Deutschland nehme die Zahl der Neuinfektionen weiter zu und das Risikobewusstsein ab. 2700 Personen steckten sich 2006 an, 200 mehr als im Vorjahr. Dabei sei „jede Neuinfektion vermeidbar“. Mit den Angeboten wende man sich nun besonders an Personen mit Migrationshintergrund und Reisende in Risikoländer. Gleichzeitig werde die Aufklärung via Internet verstärkt. Für all das flössen 2007 drei Millionen Euro zusätzlich, sagte Schmidt. Doch das Problem mache „nicht an der Staatsgrenze halt“. Der Schwerpunkt europäischer Zusammenarbeit liege in Osteuropa, das Ziel sei, den Zugang zu Prävention und bezahlbarer Behandlung europaweit sicherzustellen.

Daneben zahlt Deutschland rund 137 Millionen Euro in den globalen Fonds gegen Aids, Malaria und Tuberkulose. Mit dessen Hilfe seien seit 2001 weltweit bereits 1,5 Millionen Menschen gerettet worden, sagte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD). Die Zahl der Opfer jedoch steigt. Jährlich sterben drei Millionen Menschen an der Krankheit, 40 Millionen sind infiziert.

„Die Aids-Bekämpfung ist die Entscheidungsschlacht der Humanität“, sagte Wieczorek-Zeul. Nötig seien Prävention und die Bereitstellung von Kondomen, die Versorgung mit kostengünstiger Arznei, aber auch „die Bekämpfung von Geschlechterungleichheit“. Weltweit habe die Zahl infizierter Frauen und Mädchen „dramatisch zugenommen“. Im südlichen Afrika stellten sie bereits 60 bis 70 Prozent der Neuinfizierten. Zudem würden sie stigmatisiert und müssten die Hauptlast der Pflege von Aids-Kranken tragen. „Frauen stärken heißt die Aids-Pandemie schwächen“, so die Ministerin. raw

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