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Kämpfe in der Grenzprovinz Idlib : Erdogan schickt neue Truppen nach Syrien

Die Türkei will den Vormarsch der syrischen Regierungstruppen in Idlib stoppen. So soll einer neuen Massenflucht von Syrern in die Türkei vorgebeugt werden.

Rauchschwaden steigen nach einem Luftangriff auf, der angeblich von Flugzeugen der russischen und syrischen Streitkräfte in der Stadt Sarmin ausgeführt wurde.
Rauchschwaden steigen nach einem Luftangriff auf, der angeblich von Flugzeugen der russischen und syrischen Streitkräfte in der...Foto: dpa/ Anas Alkharboutli

Im Nordwesten Syriens droht ein neuer Krieg. Bei einem Gefecht zwischen türkischen Truppen und syrischen Regierungseinheiten in der Grenzprovinz Idlib starben in der Nacht zum Montag mindestens 21 Soldaten. Es war der erste größere Zusammenstoß der Armeen beider Länder seit Beginn des Libyen-Konflikts vor fast neun Jahren. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kündigte an, der Vormarsch seiner Soldaten im Nachbarland werde weitergehen. Die Eskalation könnte die türkisch-russischen Beziehungen in eine Krise stürzen – und die Türkei in weitere Schwierigkeiten bringen.

Erdogan hatte am Sonntag mehrere Militärkonvois nach Idlib geschickt, wo die Türkei nach einer Vereinbarung mit Russland zwölf Militärposten unterhält. Laut Medienberichten überquerten Hunderte türkische Militärfahrzeuge die Grenze in die syrische Provinz, darunter Tieflader mit Panzern. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, türkische und syrische Truppen seien östlich der Stadt Sarakib aufeinander gestoßen. Fünf türkische Soldaten und drei zivile Militärangestellte starben; die Beobachtungsstelle meldete zudem 13 getötete syrische Soldaten; nach Angaben Ankaras 76 syrische Soldaten um.

Syrische Regierungstruppen auf dem Vormarsch

Mit dem Einmarsch reagierte die Türkei auf militärische Erfolge der syrischen Regierungsarmee in Idlib, der letzten Bastion der Rebellen. Zuletzt hatten die syrischen Truppen mit russischer Unterstützung die Stadt Maraat al Numan an der strategisch wichtigen Fernstraße M5 eingenommen. In Idlib, das größtenteils von islamistischen Gruppen beherrscht wird, leben rund drei Millionen Menschen. Mehrere hunderttausend von ihnen suchen bereits Schutz an der geschlossenen türkischen Grenze, doch die Kämpfe rücken immer näher. Sarakib liegt nur etwa 30 Kilometer von der Grenze entfernt.

Ankara will den syrischen Vormarsch in der Provinz stoppen, um einer neuen Massenflucht in die Türkei vorzubeugen, die bereits 3,6 Millionen Syrer aufgenommen hat. Nach den neuesten Angaben seien fast eine Million Menschen in Idlib auf dem Weg zur türkischen Grenze, sagte Erdogan: „Wo sollen wir eine Million Leute unterbringen?“ fragte der türkische Präsident.

Zudem will Erdogan in Idlib eine endgültige Niederlage der Rebellen gegen die syrische Armee verhindern und damit die Position der Türkei in anstehenden Entscheidungen über eine Nachkriegsordnung stärken.

Der türkische Präsident unterstrich, das Ziel seiner Soldaten seien die syrischen Regierungstruppen, nicht die russischen Militärs. Russland solle sich aus der Konfrontation in Idlib heraushalten. Dennoch könnte das Gefecht in Sarakib schwere Folgen für das Verhältnis zwischen der Türkei und Russland haben. Beide Länder arbeiten im Syrien-Konflikt seit Jahren eng zusammen, obwohl die Türkei den Sturz des syrischen Präsidenten Baschar al Assad anstrebt und Moskau Assad unterstützt.

Russland tolerierte drei türkische Militärinterventionen zur Bekämpfung der syrischen Kurdenmiliz YPG. In Idlib treten die Interessengegensätze der beiden Seiten jedoch offen zutage. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, es sei nicht vorab über den türkischen Einmarsch in Idlib informiert gewesen.

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