• Kandidat mit „Arbeit macht frei“-Tattoo : Staatsanwaltschaft ermittelt gegen CSU-Listenkandidat wegen Volksverhetzung

Kandidat mit „Arbeit macht frei“-Tattoo : Staatsanwaltschaft ermittelt gegen CSU-Listenkandidat wegen Volksverhetzung

Der Mann aus Jandelsbrunn soll ein „Arbeit macht frei“-Tattoo tragen. Die CSU distanzierte sich, man könne die Kandidatur aber nicht rückgängig machen.

Fahnen der CSU.
Fahnen der CSU.Foto: Peter Kneffel/dpa

Vor der Kommunalwahl ermittelt die Staatsanwaltschaft Passau wegen des Verdachts der Volksverhetzung gegen einen CSU-Listenkandidaten. Das bestätigte ein Sprecher der Behörde am Freitag. Der Mann aus dem niederbayerischen Jandelsbrunn (Landkreis Freyung-Grafenau) trägt Medienberichten zufolge am Unterarm eine Tätowierung mit dem Nazi-Spruch „Arbeit macht frei“.

Der Beschuldigte habe Polizisten das Tattoo am Arm bereitwillig gezeigt, sagte der Staatsanwalt. Wie der Bayerische Rundfunk unter Bezug auf den Oberstaatsanwalt Walter Feiler berichtet, habe der Mann erklärt, die Tätowierung sei zweideutig zu verstehen. Arbeit könne demnach den Kopf freimachen.

„Arbeit macht frei“ montierten die Nationalsozialisten über Tore von Konzentrationslagern.

Das ehemalige KZ Sachsenhausen in Oranienburg.
Das ehemalige KZ Sachsenhausen in Oranienburg.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die örtliche CSU distanzierte sich von dem Gemeinderatskandidaten. Der Ortsverbandsvorsitzende Anton Autengruber bestätigte der Deutschen Presse-Agentur den Vorgang und sagte, er bedaure, dass die Kandidatur des Mannes „auf dem hinteren Teil“ der Liste nicht mehr rückgängig gemacht werden könne, weil die entsprechende Frist für die Kommunalwahl abgelaufen sei. Die Wahl findet am 15. März statt.

CSU: Kein Platz für rechtsradikales Gedankengut

In einer Erklärung des CSU-Ortsverbands heißt es laut Bayerischem Rundfunk: „Wir bedauern den Vorgang und verurteilen das ausgesprochen unsensible Verhalten des parteilosen Kandidaten.“ Wäre dem Ortsverband der Sachverhalt bekannt gewesen, hätte es niemals eine Nominierung für die Gemeinderatsliste gegeben. „Wie in der gesamten CSU hat auch im Ortsverband Jandelsbrunn rechtsradikales Gedankengut oder Antisemitismus keinen Platz.

Die „Passauer Neue Presse“ hatte zuvor berichtet, dass die CSU in Jandelsbrunn ihren ursprünglichen Bürgermeisterkandidaten zurückgezogen habe, nachdem er durch AfD-sympathisierende Posts auf Facebook aufgefallen war. In der 3300-Einwohner-Gemeinde hat Bürgermeister Roland Freund von der parteilosen Wählergemeinschaft bei der Kommunalwahl nun keinen Gegenkandidaten. (Tsp/dpa)

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