Den größten Wirbel löste Altkanzler Helmut Schmidt aus.

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Kandidaten-Troika : Fiskalpakt und Oppositionsrolle: SPD sucht nach Harmonie

Den größten medialen Wirbel löste Altkanzler Helmut Schmidt aus, als er im Herbst anlässlich der Vorstellung eines Gesprächsbuches mit Steinbrück seinem früheren Kanzleramtsreferenten den Segen gab ("Er kann es"). Der Ex-Finanzminister beteiligte sich mit Interviews und TV-Auftritten an der Inszenierung. Zu kurz kam dabei, dass Steinbrück zwar für Angela Merkel in Finanzfragen ein mindestens ebenbürtiger Gegner ist und in Umfragen besser abschneidet als Gabriel, für viele in der SPD aber als parteifern und selbstherrlich gilt. Mit seinem Plädoyer für die Rente mit 67 verstärkte er den Widerstand sogar noch.

Nach dem Parteitag vom Dezember galt dann Gabriel als starker Mann und fast zwangsläufiger Kandidat. Der Parteichef hatte in seiner Rede deutlich gemacht, dass er auf seinen Anspruch keineswegs verzichtet. Er wurde bejubelt und mit fast 92 Prozent im Amt bestätigt.

Steinmeier wird kaum entgangen sein, dass Gabriel in den vier Monaten seit dem Parteitag Boden verloren hat. Vor rund einer Woche setzte der Fraktionschef, der die Wahl 2009 als Spitzenkandidat mit dem Negativrekord von 23 Prozent verloren hatte, ein Signal in die Welt. Seit 2009 sei "viel passiert, politisch und privat", erklärte er: "Solche Einschnitte können einen auch stärken." Viele Genossen lasen dies als Botschaft, dass der Fraktionschef ein anderer geworden sei – nämlich ein Wahlkämpfer mit besseren Chancen als 2009.

Im Streit der Troikamitglieder um den Fiskalpakt aber geht es nicht nur um die jeweils eigenen Chancen für 2013, sondern auch um den Kurs der SPD als Oppositionspartei. Die Sozialdemokraten nämlich stecken in einem Dilemma: Je erfolgreicher Steinmeiers Politik ist, das Regierungshandeln durch konstruktive Vorschläge zu verändern, um so weniger sichtbar wird die SPD. "Wir stellen in den Wahlkreisen fest, dass die Leute die Position von SPD und Union kaum noch unterscheiden können", klagt ein Abgeordneter. Gabriels Drängen, die SPD als Widerstandskraft zu profilieren, leuchtet deshalb auch in der Fraktion vielen Sozialdemokraten ein.

An einer Eskalation der Auseinandersetzung innerhalb der Troika aber hat keines ihrer Mitglieder Interesse. Der Triumph eines Kanzlerkandidaten, durch den etwa Parteichef Gabriel als Verlierer dastünde, würde auch die Aussichten dieses Kandidaten beschädigen, weil sich dann die Partei innerlich spalten würde. Mit einander belauernden Troikas, die im Streit enden, hat die SPD seit Wehner-Brandt-Schmidt und Schröder-Lafontaine-Scharping viel Erfahrung gesammelt. Auch deshalb gilt diesmal: Wenn etwa Gabriel verzichtet und Steinmeier oder Steinbrück vorschlägt, muss er das aus einer Position der Stärke heraus tun können. Auch nach der Entscheidung wollen Gabriel, Steinmeier und Steinbrück deshalb als Troika zusammenbleiben und unterschiedliche Wählergruppen ansprechen. Zumindest haben sie das versprochen.

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