Katholikentag in Münster : Auf der Suche nach Frieden

Nordkorea, Iran und die Ökumene: Auf dem Christentreffen wird über die Weltpolitik ebenso debattiert, wie über die Konflikte in der Kirche.

Benjamin Lassiwe
Für die ganze Familie. Die Veranstaltungen des 101. Katholikentags sind gut besucht. 50<ET>000 Teilnehmer haben sich angemeldet.
Für die ganze Familie. Die Veranstaltungen des 101. Katholikentags sind gut besucht. 50000 Teilnehmer haben sich angemeldet.Foto: Stefan Arend, epd

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un ist in Münster derzeit omnipräsent. Überall in der westfälischen Bischofsstadt hängen Plakate, die den wohlgenährten Despoten aus dem verarmten Land im Fernen Osten beim Start einer Rakete zeigen. Daneben steht der Slogan „Suche Frieden“. Unter diesem Motto findet in der Stadt, in der 1648 der Westfälische Frieden den Dreißigjährigen Krieg beendete, noch bis zum Sonntag der 101. Deutsche Katholikentag statt. Er ist so stark besucht wie kein Katholikentag seit 1990. Mehr als 50.000 Dauerteilnehmer haben sich angemeldet. Viele kommen aus Westfalen. Auch bei vergangenen Katholikentreffen stellte das gastgebende Bistum Münster mit seinem lebendigen Verbändekatholizismus stets die größte Besuchergruppe.

Der diesjährige Katholikentag ist deutlich aktueller als frühere derartige Veranstaltungen. Bereits am Eröffnungsabend geißelte etwa Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran. „Ein langfristiger Friede im Mittleren Osten ist mit der Entscheidung des amerikanischen Präsidenten, einseitig aus dem Iran-Abkommen auszusteigen, jedenfalls nicht wahrscheinlicher geworden“, sagte Steinmeier. Die Friedensdiplomatie habe einen schweren Rückschlag erhalten. „Das ist bitter in einer Zeit, in der wir sie brauchen – dringender denn je.“ Ganz egal, welcher Politiker in den überfüllten Hallen, Zelten und Hörsälen zu den Besuchern spricht, in diesem Punkt sind sich alle einig.

Streit um die Kommunion

Doch viele Teilnehmer des Christentreffens beziehen das Motto „Suche Frieden“ nicht nur auf die große Weltpolitik. Lebhaft diskutiert wird in Münster auch über die Konflikte in der eigenen Kirche, etwa die Frage der Zulassung evangelischer Ehepartner zur katholischen Eucharistie. Deutschlands katholische Bischöfe wollten diesen Zustand bekanntlich auf ihrer Frühjahrsvollversammlung in Ingolstadt ändern. Doch trotz eines mit Dreiviertelmehrheit gefassten Beschlusses, evangelische Ehepartner von Katholiken unter bestimmten Umständen zur Kommunion zuzulassen, hat sich am gegenwärtigen Zustand noch nichts geändert. Denn sieben katholische Bischöfe, unter ihnen der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki und der für große Teile Brandenburgs zuständige Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt hatten in dieser Angelegenheit nach Rom geschrieben und um weitere Prüfung gebeten. Erst in der vergangenenWoche hatte der Vatikan bei einem Besuch von Woelki und dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, mitgeteilt, dass man dieses Thema an die deutschen Bischöfe zurückverweist.

Hoffen auf einen Kompromiss

In Münster redete deswegen sogar der Bundespräsident den Katholiken ins Gewissen. „Lassen Sie uns Wege suchen, den gemeinsamen christlichen Glauben auch durch gemeinsame Teilnahme an Abendmahl und Kommunion zum Ausdruck zu bringen“, sagte Steinmeier, der als reformierter Protestant selbst mit einer Katholikin verheiratet ist. „Ich bin sicher: Abertausende Christen in konfessionsverschiedenen Ehen hoffen darauf.“ Auch die unzähligen Podien zum Thema Ökumene machten um dieses Thema keinen Umweg. Er spüre auf dem Katholikentag ein „grundsätzliches Drängen“, sagte Reinhard Kardinal Marx. Selbst schien sich Marx vom Gespräch in Rom eher ermutigt zu fühlen. Er hoffe, dass es an dieser Stelle bald zu Regelungen komme. „Wir dürfen nicht ständig überlegen, was nicht geht, sondern müssen schauen, was geht.“

Die Bischöfe, die den Brief unterzeichneten, verteidigten ihre Position. Er habe den Brief unterschrieben, weil ihm als Bischof, der für die Weltkirche zuständig sei, an einer weltweit einheitlichen Lösung gelegen sei, sagte Bambergs Erzbischof Ludwig Schick.

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Auch der Initiator des Schreibens, Kardinal Rainer Maria Woelki, machte in einem Gespräch mit dem Kölner Domradio deutlich, dass er nur einem Schreiben zustimmen könne, dass auch mit den übrigen Bischöfen der Weltkirche abgestimmt sei. „Ich bin gespannt, wie uns das gelingen wird.“

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