Politik : Kein Wort über Schwule und Lesben

Polnischer Minister will Schriften über Homosexualität an Schulen verbieten

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Polens Bildungsminister Roman Giertych hat seine eigenen Vorstellungen, wie die Jugend des Landes in den Schulen erzogen werden soll. Patriotische Haltung, Prügelstrafe und Schuluniformen sind Standardforderungen in seinem Programm. Doch in den vergangenen Tagen hat sich Giertych selbst übertroffen. Der konservative Politiker will die jungen Menschen vor „homosexueller Propaganda“ schützen. Stimmt das Parlament dem Gesetzentwurf zu, werden alle Publikationen, inklusive Aufklärungsmaterial über homosexuelle Beziehungen, unter Strafe gestellt. Lehrer, die die Möglichkeit gleichgeschlechtlicher Beziehungen im Unterricht auch nur erwähnen, müssen damit rechnen, aus dem Schuldienst entlassen zu werden.

Am vergangenen Wochenende forderten 12 000 Teilnehmer eines Protestmarsches durch die Warschauer Innenstadt die Entlassung Giertychs. Er war bereits bei einem EU-Ministertreffen vor wenigen Tagen in Heidelberg wegen seiner Hasstiraden gegen Abtreibung und Homosexuelle aufgefallen.

Giertych und sein Stellvertreter Miroslaw Orzechowski verstehen die Aufregung nicht. Sie berufen sich bei ihrer Initiative auf das Gesetz. „Die polnische Verfassung sagt, dass der Staat die Familien schützen soll. Schon deshalb sind wir zu diesem Schritt verpflichtet“, erklärt Orzechowski. Und er kann sogar Beweise für „homosexuelle Propaganda“ vorlegen. An einer Schule in Krakau war 2005 ein Anti-Aids-Projekt ins Leben gerufen worden, in dessen Rahmen eine schwul-lesbische Gruppe Broschüren zum Thema „Sicherer Sex“ austeilte. Darin war auch ein Foto zweier sich küssender Männer zu sehen. Orzechowski : „Solche Bilder sprechen für sich.“

Im Eifer des Gefechts ist Orzechowski in einem Radiointerview jüngst aber offensichtlich über das Ziel hinausgeschossen. Er kündigte an, dass Lehrer, die sich zu ihrer Homosexualität bekennen, aus dem Schuldienst entlassen würden. Solche Personen könnten nicht mit Kindern arbeiten. Premierminister Jaroslaw Kaczynski stellte darauf überaus angesäuert klar, dass man Lehrer nicht deshalb entlassen könne, weil sie homosexuell sind. Und auch die Sprecherin des Bildungsministeriums ruderte zurück. Natürlich werde niemand nach seinen sexuellen Präferenzen gefragt. Der Gesetzentwurf gegen „homosexuelle Propaganda“ aber bleibt.

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