Politik : Kommando zurück

Umstrittenes Buch stellt KSK und GSG 9 in die Tradition der Wehrmachtsspezialeinheit „Brandenburger“

Frank Jansen Sarah Kramer

Berlin - Das Buch wirkt fast wie eine offizielle Präsentation. Unter dem Titel „Geheime Krieger“ steht schlicht: „Drei deutsche Kommandoverbände im Bild“. Es folgen Fotos von Männern der Bundeswehrspezialeinheit KSK, der Polizeitruppe GSG 9 – und der „Brandenburger“, einer Elitetruppe der Wehrmacht, bekannt für brutale Einsätze. Als Autoren werden Ex-KSK-Kommandeur Reinhard Günzel, der einstige GSG-9-Chef Ulrich Wegener und der ehemalige „Brandenburger“-Offizier Wilhelm Walter präsentiert. Ein Unterschied zwischen dem Charakter der Eliteeinheiten der Bundesrepublik und dem der Truppe der Nazis ist nicht zu erkennen. Als gäbe es eine direkte Traditionslinie zwischen Hitlers Angriffskrieg und der Bekämpfung von Terroristen durch den Rechtsstaat.

Das fotosatte Buch ist ein Angriff auf das Geschichtsbild der Bundesrepublik. Kein Zufall: Der Band erschien Anfang des Jahres im Verlag „Pour le Mérite“, der zu dem vom Verfassungsschutz beobachteten Imperium des ultrarechten Dietmar Munier gehört. Vermutlich wäre das Buch wie viele rechte Publikationen kaum weiter aufgefallen, hätten sich nicht mit Wegener und Günzel zwei bekannte Persönlichkeiten dafür hergegeben. Wegener, politisch bislang unauffällig, gilt als „Held von Mogadischu“. In der somalischen Stadt leitete er 1977 den Einsatz der GSG 9 zur Befreiung der Geiseln in der Passagiermaschine „Landshut“. In dem Buch behauptet Wegener, die Bundesrepublik scheine sich mit den Gewalttaten der RAF arrangiert zu haben, „denn viele Alt-68er, die heute politische Verantwortung tragen, stammen zumindest aus dem Sympathisantenumfeld der RAF“.

Günzel gilt schon länger als Problemfall. So ließ er sich unter anderem mit dem Rechtsaußenblatt „Junge Freiheit“ ein. Was er in „Geheime Krieger“ schreibt, klingt in Teilen wie NPD-Propaganda.

Günzel zitiert aus einer eigenen Ansprache vor der KSK im April 2001. Das Ritterkreuz, höchste militärische Auszeichnung des NS-Regimes, sei „aufgrund der beispiellosen Leistungen unserer Väter“ zu einem „weltweit höchstgeachteten Symbol geworden“, impfte der Kommandeur seinen Männern ein. Dazu passt, dass der dritte Autor des Buches, Ex-Oberstleutnant Wilhelm Walther, auch heute noch stolz das Ritterkreuz trägt. In seinem Beitrag gibt er unumwunden zu, die meisten Einsätze der „Brandenburger“ seien vom damaligen Kriegsvölkerrecht nicht gedeckt gewesen.

Nun regt sich Kritik. Günzels Worte wie auch das ganze Buch halte er für „exemplarisch verfehlt“, sagt der Chef des Bundeswehrverbandes, Oberst Bernhard Gertz. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums betont, „das Buch spiegelt nicht unsere Auffassungen wider“. Das Bundesinnenministerium prüft den „Vorgang“. Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linkspartei) empfindet das Buch als „Verherrlichung des NS-Militärs“. Sie will nun in zwei Anfragen von der Bundesregierung wissen, welche „verfassungsschutzrelevanten Kenntnisse“ es dazu gibt – und was über rechtsextreme Aktivitäten bei KSK und GSG 9 bekannt ist.

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