Kommunalwahl in Bayern : Die Grünen nehmen sich auch die ländlichen Regionen vor

Die Grünen wollen bei der Kommunalwahl in Bayern auf 2500 Mandate kommen. Dafür sind Zuwächse auch außerhalb der städtischen Hochburgen notwendig.

Bayerns Grünen-Chefin Sigi Hagl kandidiert bei der Kommunalwahl als Oberbürgermeisterin für Landshut
Bayerns Grünen-Chefin Sigi Hagl kandidiert bei der Kommunalwahl als Oberbürgermeisterin für LandshutFoto: Tobias Hase/dpa

Es war eine kleine Sensation, als Wolfgang Rzehak und Jens Marco Scherf vor sechs Jahren bei der Kommunalwahl in Bayern zum Landrat gewählt wurden: Die beiden Kommunalpolitiker waren die ersten Grünen, die es in Deutschland jemals in dieses Amt geschafft hatten. Für die Partei, die ihre Hochburgen traditionell in den Städten hat, war es eine Besonderheit, dass sie nun auch in ländlichen Gegenden wie im Landkreis Miesbach und in Miltenberg Mehrheiten erringen konnte.

Bei der Kommunalwahl an diesem Sonntag wollen die Grünen ihren Vormarsch in Bayern fortsetzen. Bei der letzten Landtagswahl und der Europawahl erzielten sie Rekordergebnisse, nun hat sich die Partei ehrgeizige Ziele gesetzt: Die Grünen wollen in Bayern insgesamt auf 2500 gewählte Kommunalpolitiker kommen, das wären 700 mehr als im Jahr 2014. Bisher stellen sie neben den zwei Landräten 14 grüne Bürgermeister – auch diese Zahl soll weiter steigen. Mit insgesamt 34 Oberbürgermeister-Kandidatinnen und Kandidaten treten die Grünen bei der Wahl an, die Hälfte von ihnen sind Frauen.

Hoffnung machte den Grünen zum Jahresanfang der „Bayerntrend“ des Bayerischen Rundfunks. Laut der Umfrage, die von Mitte Januar stammt, hätte die Partei mit 25 Prozent der Stimmen rechnen können. Ob sich die Stimmung geändert hat, seit die Ausbreitung des Coronavirus zum dominierenden Thema geworden ist, ist schwer zu sagen. Zumindest hatte dieser Auswirkungen auf den Wahlkampf, den auch die Grünen in den letzten Tagen komplett ins Internet verlegten. Grünen-Chef Robert Habeck sagte sämtliche Auftritte ab, der Haustürwahlkampf wurde abgebrochen, auch auf Info-Stände verzichten die Grünen.

Grüne wollen mehr Oberbürgermeister stellen

Befragungen in einzelnen Städten aus der jüngeren Zeit deuten zumindest ein starkes Ergebnis für die Grünen an. So rechnen sie sich in München Chancen aus, mit Katrin Habenschaden in die Stichwahl zu kommen. Zwar ist der amtierende SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter in der Landeshauptstadt beliebt und liegt derzeit in den Umfragen klar vorne. Doch ob er im ersten Wahlgang schon die erforderliche absolute Mehrheit erreicht, ist ungewiss. Bei der Europawahl 2019 hatten die Grünen in München 31,2 Prozent erreicht und waren damit weit vor der SPD gelandet.

In Würzburg und Nürnberg hoffen die Grünen auf den Einzug ins Rathaus. In Landshut kandidiert Grünen-Landeschefin Sigi Hagl, im Landkreis Starnberg will ihre Parteikollegin Martina Neubauer Landrätin werden „In den letzten Jahren ist es den bayerischen Grünen gelungen, auch im ländlichen Raum zuzulegen“, sagt Jamila Schäfer, stellvertretende Vorsitzende der Bundespartei und gebürtige Münchnerin. In fast allen Orten mit mehr als 10.000 Einwohnern tritt die Partei nun zur Kommunalwahl an, in allen Ecken Bayerns habe es ein deutlich spürbares Mitgliederwachstum gegeben. Allein im Jahr 2019 gründeten sich in Bayern 140 neue Ortsverbände. „Diese Verankerung der Grünen vor Ort macht sich bemerkbar“, sagt Schäfer.

Die Grünen-Politikerin nimmt gerade im ländlichen Raum ein großes Interesse der Bürger an Themen wie Mobilität, Landwirtschaft und der Gesundheitsvorsorge wahr. Zugleich finde eine „starke Politisierung“ statt, sagt Schäfer. Neulich sei sie bei einer Veranstaltung im oberbayerischen Wasserburg gewesen. „Da kommen inzwischen auch Leute hin, die vorher noch nie bei den Grünen waren“, sagt sie. „Die wollen mit uns darüber reden, was man nach Hanau gegen Rassismus in der Gesellschaft tun kann.“

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