Korruption im Mittelpunkt : Panama wählt Präsidenten und Parlament

Durch die Panama-Papers geriet das Land 2016 weltweit in die Schlagzeilen. Der Kampf gegen die Korruption stand so auch im Mittelpunkt des Wahlkampfs.

Favorit bei der Präsidentenwahl ist Laurentino Cortizo.
Favorit bei der Präsidentenwahl ist Laurentino Cortizo.Foto: Jose Cabezas/Reuters

Der Kampf gegen die Korruption steht im Mittelpunkt der Präsidentenwahl in Panama am heutigen Sonntag. Vor drei Jahren war das mittelamerikanische Land mit seinen knapp 4,1 Millionen Einwohnern durch die Veröffentlichung der Panama-Papers über Geldwäsche und Steuervermeidung international in die Schlagzeilen geraten. Zudem sind viele Politiker und Beamte in den Schmiergeldskandal um den brasilianischen Baukonzern Odebrecht verstrickt. Der Präsident ist in Panama nicht nur Staatsoberhaupt, sondern zugleich auch Chef der Regierung.

Als Favorit geht der Agrarunternehmer und frühere Agrarminister Laurentino Cortizo in die Wahl. Der 65-Jährige kann auf eine gut geschmierte Wahlkampfmaschine der größten Partei des Landes PRD zurückgreifen und genießt den Rückhalt verschiedener politischer Lager und sozialer Gruppen. „Ich verfüge über die nötige Charakterstärke, um Entscheidungen für dieses Land zu fällen“, sagte er zuletzt. „Das Volk hat es satt. Die Korrupten und Unfähigen sollen gehen und nie wieder zurückkommen.“ Um die weit verbreitete Korruption zu bekämpfen, will er unter anderem das Vergabeverfahren für öffentliche Aufträge reformieren.

Sein stärkster Herausforderer dürfte der ehemalige Außenminister Rómulo Roux sein. Der Neffe des amtierenden Präsidenten Juan Carlos Varela und frühere Verwaltungschef des Panamakanals will die Unabhängigkeit der Justiz stärken, Steuern kürzen und neue Arbeitsplätze in der Landwirtschaft schaffen. Insgesamt bewerben sich sieben Kandidaten um das höchste Staatsamt. Neben dem Präsidenten wählen die Panamaer am Sonntag auch die Abgeordneten des Parlament, Bürgermeister und Stadträte.

Im Gegensatz zu den von Gewalt geprägten Ländern im Norden Mittelamerikas gilt Panama als recht stabil. Mit einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von 5,6 Prozent während der vergangenen fünf Jahre verfügt es über die zweitdynamistische Volkswirtschaft in Lateinamerika und der Karibik. Der Panamakanal und der Finanzplatz sind die Stützen der panamaischen Wirtschaft. Seit der Veröffentlichung der Panama Papers kämpft das Land allerdings mit mäßigem Erfolg gegen den Ruf, ein Steuerparadies und Zentrum für Geldwäsche zu sein.

Die Wahllokale schließen um 16. Uhr (23 Uhr MESZ). Rund 2,7 Millionen Panamaer sind zur Wahl aufgerufen. Es gibt keine Stichwahl in Panama, der Präsident wird direkt am Sonntag bestimmt. (dpa)

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