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Krieg in Syrien : Assads Truppen treiben Keil in Rebellengebiet Ost-Ghouta

Syrische Truppen und ihre Verbündeten dringen immer tiefer in das Rebellengebiet Ost-Ghouta östlich von Damaskus vor. Das Rote Kreuz verschiebt einen Hilfskonvoi.

Syrische Soldaten auf dem Vormarsch
Syrische Soldaten auf dem VormarschFoto: dpa/Xinhua/Ammar Safarjalani

Die syrische Armee hat einen Keil in die Rebellen-Enklave Ost-Ghouta getrieben und sie nach Angaben eines Milizen-Kommandeurs faktisch zweigeteilt. Die aus Osten vorstoßenden Kämpfer stünden davor, sich mit Einheiten im Westen zusammenzuschließen, sagte der Kommandeur einer regierungstreuen Miliz am Donnerstag. Ein Rebellenvertreter bestritt diese Darstellung. Wegen der Kämpfe sagte das Rote Kreuz einen für Donnerstag geplanten Hilfskonvoi nach Ost-Ghouta ab. Der UN-Sicherheitsrat wiederholte seine Forderung nach einer 30-tägigen Feuerpause im gesamten Land.

Ein noch nicht von regierungstreuen Kräften besetzter, etwa ein Kilometer breiter Gebietsstreifen sei eine No-Go-Area, sagte der Milizen-Kommandeur. Sie liege in direkter Schusslinie der Regierungstruppen und könne von den Aufständischen nicht mehr genutzt werden. Daher sei die Enklave militärisch geteilt. Ähnliches hatte am Mittwoch auch die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet. Ein Sprecher der Rebellengruppe Failak al-Rahman wies hingegen die Berichte über eine Teilung des Gebietes östlich von Damaskus zurück. Rebellenvertreter kündigten an, ihre Taktik zu ändern. In den verlorenen Gebieten würden sie sich auf einen Guerilla-Kampf einstellen, um den Vormarsch der Regierungstruppen aufzuhalten.

Hilfskonvoi verschoben

Die syrische und die mit ihr verbündete russische Regierung begründen das Vorgehen damit, den Beschuss der Hauptstadt durch Rebellen zu stoppen. Nach Angaben der Beobachtungsstelle kamen dabei seit Mitte Februar 27 Menschen ums Leben, die staatlichen Medien sprechen von mehr Toten. Nach Informationen der Beobachtungsstelle wurden durch die syrische Militäroffensive in den vergangenen 18 Tagen knapp 900 Zivilisten getötet, allein 91 am Mittwoch. In der Region leben laut Vereinten Nationen rund 400.000 Menschen.

Hilfsorganisationen mussten einen Konvoi mit Gütern für notleidende Menschen im umkämpften Rebellengebiet zunächst verschieben. Es sei unklar, wann sich die Fahrer der Lastwagen auf den Weg machen könnten, erklärte die Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Syrien, Ingy Sedki, am Donnerstag. Die militärische Lage lasse eine Lieferung der Hilfsgüter derzeit nicht zu. Eine UN-Sprecherin teilte mit, der Konvoi habe aus Sicherheitsgründen keine Genehmigung bekommen.

Der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian rief Russland und den Iran auf, ihren Einfluss auf den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad geltend zu machen und ihn zur Einhaltung der von den UN geforderten 30-tägigen Feuerpause zu drängen. Der UN-Sicherheitsrat hatte am Mittwoch zur Einhaltung der entsprechenden am 24. Februar beschlossenen Resolution aufgefordert, um Hilfe in das Gebiet bringen zu können.

Das UN-Nothilfebüro (Ocha) appellierte an die Kriegsparteien, den Hilfskonvois ungehinderten Zugang zu gewähren. Am Montag hatte ein Konvoi das Gebiet erreicht. Über ein Dutzend Lkw konnten aber nicht entladen werden, weil der Konvoi wegen anhaltender Luftangriffe vorzeitig das Kampfgebiet wieder verließ. (Reuters)


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