Krieg in Syrien : Mindestens 33 Tote bei Luftangriffen in Syrien

Bereits in den vergangenen Tagen flogen russische und syrische Jets heftige Luftangriffe auf Rebellengebiete. UN-Vertreter fordern eine Kampfpause, um Millionen notleidende Menschen versorgen zu können.

Rauchwolken steigen über Sakarib auf.
Rauchwolken steigen über Sakarib auf.Foto: Juma Mohammed/dpa

Bei einer neuen Gewalteskalation in Syrien haben Luftangriffe auf ein Rebellengebiet nahe der Hauptstadt Damaskus Aktivisten zufolge mindestens 33 Zivilisten getötet, darunter Kinder. Die UN zeigten sich am Dienstag angesichts der jüngsten Gewalt in dem Bürgerkriegsland alarmiert. UN-Vertreter beklagten, sie könnten tonnenweise bereitstehende humanitäre Hilfe wegen anhaltender Kämpfe und umständlicher Genehmigungsverfahren nicht verteilen. Mehr als 13 Millionen notleidende Menschen im Land brauchen solche Unterstützung

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, Jets der syrischen Luftwaffe hätten mehrere Orte in der von Regierungstruppen eingeschlossenen Region Ost-Ghuta nahe Damaskus bombardiert. Lokale Aktivisten berichteten sogar von 44 Toten und Dutzenden Verletzten.

Bereits am Montag waren dort bei Bombardierungen nach Angaben der Menschenrechtler mehr als 30 Zivilisten gestorben. Syrische und russische Jets flogen in den vergangenen Tagen auch in der ebenfalls von Regierungsgegnern kontrollierten Provinz Idlib im Nordwesten Syriens heftige Luftangriffe mit Dutzenden zivilen Opfern. Moskau unterstützt in dem Bürgerkrieg die Truppen der Regierung.

Untersuchung eines möglichen Giftgasangriffs

Die UN-Ermittlungskommission für Syrien kündigte an, sie werde Berichte über einen Angriff mit Chemiewaffen auf die von Rebellen gehaltene Stadt Sarakib im Nordwesten des Landes untersuchen. Rettungshelfer und Aktivisten werfen der Regierung vor, sie habe dort am Montag eine Bombe mit Chlorgas abgeworfen. Nach Angaben der Rettungsorganisation Weißhelme wurden dabei zwölf Menschen verletzt.

Die USA forderten am Montag Russland dazu auf, den mutmaßlichen Chlorgasangriff "auf das Schärfste" zu verurteilen, doch lehnte Russland dies ab, weil dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad dabei die Verantwortung zugewiesen werde.

Ost-Ghuta und die Provinz Idlib gehören zu den letzten Gebieten Syriens unter Rebellenkontrolle. In den vergangenen Wochen war die Gewalt dort eskaliert. In Idlib haben die Kämpfe nach UN-Angaben fast 250 000 Menschen vertrieben. In Ost-Ghuta sind wegen einer Blockade der Regierung nach UN-Schätzungen rund 400 000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Weil kaum Hilfe in das Gebiet kommt, spielt sich dort nach Angaben von Hilfsorganisationen eine humanitäre Katastrophe ab.

Ausmaß und Heftigkeit der Angriffe in Ost-Ghuta und in Idlib hätten „dramatisch zugenommen“, teilte die UN-Ermittlungskommission mit. Die Luftangriffe hätten Berichten zufolge auch drei Klinken getroffen.

UN fordern Kampfpause

„Diese Berichte sind äußerst verstörend und verhöhnen die so genannten „De-Eskalationzonen““, erklärte der Leiter der Kommmission, Paulo Pinheiro. Russland und der Iran als Verbündete der syrischen Regierung und die Türkei als Unterstützer der Opposition hatten im vergangenen Jahr mehrere solcher Zonen errichtet.

UN-Vertreter in Syrien verlangten umgehend eine mindestens einmonatige Kampfpause, um Millionen Menschen versorgen sowie Kranke und Verwundete retten zu können. Besonders in den belagerten und schwer erreichbaren Regionen gebe es seit Wochen keinen Zugang. Die meisten Gebiete in Syrien werden von Regierungsanhängern blockiert.

Der Januar sei ein verheerender Monat in Syrien gewesen, sagte Fran Equiza, Vertreter des UN-Kinderhilfswerks Unicef in Syrien. Fast 60 Kinder seien durch Kämpfe getötet worden. Am Sonntag sei ein von Unicef unterstütztes Krankenhaus in Maarat al-Numan im Nordwesten Syriens angegriffen worden und nun außer Betrieb.

Seit Ausbruch des Konflikts sind im syrischen Bürgerkrieg mehr als 400 000 Menschen ums Leben gekommen. Die Regierungstruppen konnten in den vergangenen Monaten große Geländegewinne erzielen. (dpa/AFP)

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