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Krieg in Syrien : Russische und syrische Luftwaffe greifen Idlib an

Dörfer und Städte in den syrischen Rebellen kontrollierten Provinz Idlib sind unter Beschuss. Auch Fassbomben sollen gefallen sein.

Am Freitag rücken Regierungstruppen zur syrischen Stadt Khan Shaykhun in der Provinz Idlib vor.
Am Freitag rücken Regierungstruppen zur syrischen Stadt Khan Shaykhun in der Provinz Idlib vor.Foto: AFP/Anas Al-Dyab

Einen Tag nach den gescheiterten Bemühungen der Türkei um eine Waffenruhe im syrischen Idlib haben syrische und russische Streitkräfte Ortschaften in der Rebellen-Provinz unter Beschuss genommen. Es sollen die schwersten Luftangriffe auf die Rebellenprovinz seit einem Monat sein. Der südliche Teil der Provinz und auch der Norden der angrenzenden Region Hama seien von etwa 90 Bombardements erschüttert worden, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag. Dazu habe es Beschuss mit Artillerie und Raketen gegeben.

Augenzeugen und Rettungskräfte berichteten am Samstag von Luftangriffen auf Dörfer und Städte, die von Aufständischen kontrolliert werden. Dabei hätten syrische Hubschrauber auch international geächtete Fassbomben auf zivile Wohngegenden in den Randbezirken des Ortes Chan Scheichun abgeworfen, sagten zwei Anwohner.

Ob es sich bei den Angriffen schon um den Start der befürchteten Großoffensive handelt, blieb am Samstag zunächst unklar. Ein Kommandeur der regierungstreuen Truppen sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Angriffe beschränkten sich momentan ausschließlich auf Bombardements aus der Luft. Es gebe zum Zeitpunkt keinen Plan, Bodentruppen einzusetzen.

Idlib ist das letzte große Rebellengebiet in Syrien. Die Regierung hatte dort in den vergangenen Wochen ihre Truppen zusammengezogen und mit einer Offensive gedroht. Sie will nach eigenen Angaben das ganze Land wieder unter ihre Kontrolle bringen. Bereits in den vergangenen Monaten hatte sie wichtige Gebiete wieder eingenommen, darunter die lange umkämpfte Region Ost-Ghuta bei Damaskus und den Süden des Landes. Dort gaben die Rebellen zu großen Teilen kampflos auf.

Neue humanitäre Katastrophe befürchtet

Am Freitag war die Türkei bei einer Konferenz in Teheran damit gescheitert, die Syrien-Verbündeten Russland und Iran von einer Waffenruhe in Idlib zu überzeugen. Danach schien der Weg für die syrische Regierung zumindest für eine begrenzte Offensive gegen die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbundene Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS) frei.

Denn Syrien und sein Verbündeter Russland wollen in Idlib nach eigenen Angaben „Terroristen“ bekämpfen. In der Region ist die HTS-Miliz, die sich früher Al-Nusra-Front nannte, sehr stark. Nach Angaben des UN-Syrienvermittlers Staffan de Mistura hat die Gruppe rund 10.000 Kämpfer in Idlib. Daneben sind dort auch zahlreiche andere Rebellengruppen aktiv, die mit HTS konkurrieren.

Die Vereinten Nationen, mehrere Regierungen und Hilfsorganisationen befürchten eine neue humanitäre Katastrophe in Idlib. In der Region leben den UN zufolge rund drei Millionen Zivilisten, fast die Hälfte davon Vertriebene. Die meisten von ihnen sind bereits einmal vor den Regierungstruppen geflohen und wollen nicht unter deren Herrschaft zurück. Die Türkei hat jedoch ihre Grenzen geschlossen.

Trump warnte Assad

UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock erklärte, in Idlib könne es die größte humanitäre Katastrophe im 21. Jahrhundert geben. US-Präsident Donald Trump warnte Syriens Machthaber Baschar al-Assad vor einem „Gemetzel“. Kanzlerin Angela Merkel rief dazu auf, bei einer Offensive eine humanitäre Katastrophe zu verhindern. Russlands Außenminister Sergej Lawrow erklärte hingegen, in Idlib hätten sich Terroristen gesammelt. Die „Eiterbeule“ müsse liquidiert werden.

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Der syrische Bürgerkrieg hatte im März 2011 im Zuge der arabischen Aufstände mit Protesten begonnen, gegen die die Sicherheitskräfte mit Gewalt vorgingen. Daraus entwickelte sich ein bewaffneter Konflikt. Seitdem sind mehr als 400.000 Menschen ums Leben gekommen, Millionen wurden im Land vertrieben oder flohen ins Ausland. Große Gebiete Syriens wurden während des bewaffneten Konflikts stark zerstört. (Reuters, dpa)

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