UN befürchtet weitere Tote bei Kampf um Posten in Akobo

Seite 2 von 2
Krise im Südsudan : „Da ist ein neuer Bürgerkrieg in Gange“

Am Donnerstagabend haben Kämpfer der Lou-Nuer einen UN-Posten in Akobo überrannt und die beiden indische Blauhelme getötet sowie einen schwer verletzt. Die UN befüchten, dass die mehr als 30 Dinka, die sich auf das Unmiss-Gelände in Akobo geflüchtet haben, nicht überlebt haben. Die Hauptstadt von Jonglei, Bor, ist derweil an den zum wiederholten Mal desertierten General Peter Gadet gefallen. Er hat im Verlauf des langen Bürgrkriegs eine schillernde Rolle gespielt und war samt der achten Division, die er befehligt, nach dem Friedensschluss mit der sudanesischen Regierung in Khartum in die Armee (SPLA) integriert worden. Allerdings gehörte er zu einer Gruppe ehemaliger Warlords, die das zentrale Kommando von Salva Kiir nie akzeptiert haben. Der im Juli als Vizepräsident geschasste Riek Machar, der bei den Präsidentschaftswahlen 2015 gegen Salva Kiir antreten will, hat in einem Interview angedeutet, er und Gadet seien gerade verbündet. Allerdings sind politische und militärische Bündnisse im Südsudan von Pragmatismus geprägt und selten dauerhaft, sagt der Herausgeber des Internetmagazins „The Niles“, Roman Deckert.

Zur politischen Krise schwieg Außenminister Steinmeier, was der Südsudan-Experte Peter Schumann beunruhigend findet. Er fürchtet, dass der Fall mit der Rückholaktion für die Berliner Außenpolitik bis nach den Feiertagen „erledigt“ sein könnte. Auch Omid Nouripour, den die grüne Bundestagsfraktion gerade zu ihrem außenpolitischen Sprecher gemacht hat, warnt davor, die Krise laufen zu lassen. Er sagt: „Die politische Dimension darf über den Evakuierungen nicht vergessen werden.“

Annette Weber, Afrikaexpertin der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), wirft Kiir und Machar vor, dass sie „nicht politisch reagiert“ hätten. Nachdem Kiir im Sommer die gesamte Regierung und vor allem seinen Rivalen Machar entlassen hätte, habe er nur noch mit Präsidentschaftsdekreten regiert und zudem die demokratischen Gremien in der Regierungspartei SPML aufgelöst. Und nun hätten beide „auf militärische Eskalation gesetzt“, sagt Weber. Sie hält es für keine gute Idee der Afrikanischen Union, den Präsidenten des Nachbarlands Uganda, Yoweri Museveni, zum Vermittler ernannt zu haben. Er gilt im Südsudan als enger Bündnisgenosse von Salva Kiir – und hat am Freitag offenbar auf Bitten Kiirs Truppen nach Juba einfliegen lassen. „Salva Kiir hat die Kontrolle über die Armee verloren“, sagt Peter Schumann. Nun sei der Konflikt über die Schwelle hinaus, hinter der er durch Deeskalationsstrategien noch hätte gelöst werden können, stellt Annette Weber fest. (mit dpa)

Artikel auf einer Seite lesen
Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

Autor

4 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben