• Kritik an ARD-Sendung „Hart aber fair“: „Hätten die auch Göring eingeladen, um über Nazi-Morde zu plaudern?“

Kritik an ARD-Sendung „Hart aber fair“ : „Hätten die auch Göring eingeladen, um über Nazi-Morde zu plaudern?“

Die Sendung „Hart aber fair" diskutiert rechten Hass. Einer der Gäste: AfD-Politiker Uwe Junge. Das führt zu einem Sturm der Entrüstung.

AfD-Mann Uwe Junge ist ein umstrittener Talkshow-Gast.
AfD-Mann Uwe Junge ist ein umstrittener Talkshow-Gast.Foto: Arne Deder/dpa

Die ARD-Sendung „Hart aber fair“ läuft erst am späten Abend im Fernsehen, doch schon vor der Ausstrahlung gibt es kontroverse Diskussionen um die Gästeliste - genauer gesagt um einen Gast. Das Thema an diesem Abend: "Aus Worten werden Schüsse: Wie gefährlich ist rechter Hass?" Es geht um den Mord am ehemaligen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Ist der Rechtsstaat wehrhaft genug gegen rechten Terror? Reichen rechte Netzwerke wirklich bis in Polizei und Bundeswehr? Und wer bereitet den Mördern das Feld mit Polemik und Hassbotschaften? So lauten die vorab gestellten Kernfragen der Diskussionsrunde.

Neben CDU-Innenminister Herbert Reul, der Grünen-Abgeordneten Irene Mihalic und dem Journalisten und Terrorexperten Georg Mascolo hat die Redaktion Uwe Junge eingeladen, AfD-Vorsitzender in Rheinland-Pfalz und Fraktionsvorsitzender im Mainzer Landtag.

Junge gilt selbst innerhalb der AfD als besonders provokant. Im Dezember 2017 attackierte er Unterstützer von Angela Merkels Flüchtlingspolitik. Auf Twitter schrieb er damals: „Der Tag wird kommen, an dem wir alle Ignoranten, Unterstützer, Beschwichtiger, Befürworter und Aktivisten der Willkommenskultur im Namen der unschuldigen Opfer zur Rechenschaft ziehen werden! Dafür lebe und arbeite ich. So wahr mir Gott helfe!“ Es war nicht die einzige Entgleisung, die Junge sich erlaubt hat. Später forderte Junge allerdings auch eine klare Distanzierung der Partei von rechtsextremistischen Bestrebungen. Die AfD sei eine bürgerlich-konservativ-patriotische Partei und keine rechtsextreme Partei, sagte er.

Viele lehnen die Einladung an Junge ab

Die Worte ändern nichts am Sturm der Entrüstung, der vor der Sendung ausbrach. Viele im Netz lehnen die Einladung an Junge ab.

„Wenn es #hartaberfair schon 1945 gegeben hätte, hätten die da auch Herman Göring eingeladen, um über die Nazi-Morde zu plaudern?“, fragte der Linken-Abgeordnete im Bundestag Niemad Movassat auf Twitter.

„Eine Talkshow zu rechtem Terror, sollte nicht denen, die ihn durch ihre Hetze gestärkt haben, eine Bühne bieten“, schrieb die Bundessprecherin der Grünen Jugend, Ricarda Lang.

Heute werde in der Sendung "wieder mal einem Rechtspopulisten Redezeit eingeräumt", kritisierte der bekannte Cartoonist Ralph Rute auf Twittter: „Große Bitte an meine Follower: guckt euch das nicht an. Bittet andere, die Sendung nicht einzuschalten. Ich bins leid, dass Nazis ständig Sendezeit bekommen.“

Andere Twitter-Nutzer mahnten einen zu laschen Umgang mit Rechtspopulisten an.

Die stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende Beatrix von Storch kritisierte die ARD dafür, dass sie „endlich mal offiziell dokumentiert, dass der Staatsfunk nicht unparteiisch ist, sondern Meinungsmanipulation betreibt und Meinungsvielfalt unterdrückt“. Der Sender hatte zuvor geschrieben, „die Redaktionen der Talksendungen bemühen sich insbesondere, AfD-Vertreterinnen kein Forum für ihre Zwecke zu bieten“.

An anderer Stelle, auf Facebook, hatte die ARD-Redaktion die Einladung verteidigt. „Hart aber fair ist eine Diskussionssendung, in der je nach Thema demokratisch gewählte Parteien zu Wort kommen“, hieß es dort. Auch diese Aussage kam bei vielen nicht gut an.

„Hart aber Fair“ läuft am Montag um 21 Uhr in der ARD.

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