Lateinamerika-Reise : Der Ärger für Bush geht weiter

Auch in Uruguay, der zweiten Station der Lateinamerika-Reise von US-Präsident Bush, hat es in der Region zahlreiche Proteste gegeben. Sein Gegenspieler Chávez nannte ihn unterdessen "eine politische Leiche".

Anchorena - Vor George W. Bushs Treffen mit dem uruguayischen Staatschef Tabaré Vázquez am Samstag in dessen Residenz Anchorena rund 200 Kilometer westlich von Montevideo fanden Kundgebungen sowohl in Uruguay als auch im benachbarten Argentinien statt. Bei einer Protestveranstaltung in einem Fußballstadion in Buenos Aires nannte Venezuelas Präsident Hugo Chávez seinen Gegenspieler Bush am Freitagabend (Ortszeit) eine "politische Leiche". Bush traf von Montevideo aus mit einem Hubschrauber in Anchorena ein.

Bei Bushs Treffen mit Uruguays gemäßigt linken Präsidenten Vázquez stand der Ausbau der wirtschaftlichen und handelspolitischen Zusammenarbeit im Mittelpunkt. Am Sonntag wollte Bush nach Kolumbien weiterreisen und anschließend Guatemala und Mexiko besuchen. Beobachtern zufolge will er das angeschlagene Image seiner Regierung in Lateinamerika verbessern und den wachsenden Einfluss des Linkspopulisten Chávez in der Region zurückdrängen.

Chávez bezeichnete Bushs Lateinamerika-Tour bei der Veranstaltung im Stadion von Buenos Aires vor etwa 35.000 Menschen als "imperialen Angriff". Allerdings habe der US-Präsident kaum etwas zu bieten. In der argentinischen Hauptstadt kam es unterdessen zu Ausschreitungen zwischen so genannten Piqueteros, organisierten Arbeitslosen und Armen, und Polizisten. Zum Teil vermummte und mit Stöcken bewaffnete Demonstranten zündeten US-Flaggen an und bewarfen Polizisten mit Steinen. Die Polizei löste die Proteste gewaltsam auf.

Einfuhrzölle für Ethanol bleiben

Bush wurde bei seiner Ankunft in Montevideo von Uruguays Außenminister Renaldo Gargano begrüßt. Der US-Präsident reiste aus Brasilien an, wo er seine Lateinamerika-Reise begleitet von zahlreichen Protesten begonnen hatte. Vor seiner Weiterreise nach Uruguay versicherte er, dass sich die USA nicht von Lateinamerika abgewandt hätten. Er verstehe die Sorgen der Bevölkerung und ihr Bedürfnis nach sozialer Gerechtigkeit. Bush wies darauf hin, dass sich seit seinem Amtsantritt die Summe der direkten Hilfe der USA für Lateinamerika auf 1,6 Milliarden Dollar (1,2 Milliarden Euro) im vergangenen Jahr verdoppelt habe.

Der US-Präsident erklärte zugleich, dass die Einfuhrzölle für den Biosprit Ethanol aus Brasilien nicht aufgehoben würden. Die brasilianische Regierung von Präsident Luis Inácio Lula da Silva wollte erreichen, dass die USA ihre Importzölle für Ethanol senken. Mit diesen Zöllen schützen die USA den staatlich subventionierten Anbau von Mais zur Ethanolgewinnung. Bush und Lula bekräftigten auf einer gemeinsamen Pressekonferenz São Paulo ihren Willen, die Gespräche über ein neues Welthandelsabkommen, die so genannte Doha-Runde, wiederzubeleben.

Proteste schon vor der Ankunft

Vor Bushs Eintreffen in Uruguay kam es auch dort zu Protesten. Etwa 200 Gewerkschafter und Mitglieder linksradikaler Organisationen demonstrierten in der Nähe der Präsidentenresidenz Anchorena gegen den US-Imperialismus. Sie skandierten Parolen wie "Bush - Faschist, du bist der Terrorist" oder "Bush - raus aus Lateinamerika". Die Demonstranten, von denen etwa 60 die Strecke zwischen Montevideo und der Residenz zu Fuß zurückgelegt hatten, führten palästinensische, venezolanische, kubanische und uruguayische Fahnen mit sich.

In Montevideo versammelten sich am Freitagabend auf zwei Demonstrationen rund 6000 Menschen. Die größere Kundgebung mit etwa 5000 Teilnehmern, zu der die größte Gewerkschaft Uruguays aufgerufen hatte, verlief friedlich. Am Rande einer zweiten Kundgebung kam es zu einzelnen Zwischenfällen. Dabei gingen die Scheiben von zwei McDonald's-Filialen in der uruguayischen Hauptstadt zu Bruch. Die Ordner der Veranstalter der Demonstration konnten die Lage allerdings selbst beruhigen. (tso/AFP)

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