• „Leider verfrüht veröffentlicht“: AfD-Landtagsfraktion zieht umstrittenes Malbuch zurück

„Leider verfrüht veröffentlicht“ : AfD-Landtagsfraktion zieht umstrittenes Malbuch zurück

Das Buch war von vielen Seiten als rassistisch kritisiert worden. Zunächst hatte der NRW-Fraktionschef es noch deutlich gegen die Kritik verteidigt.

AfD-Werbematerial.
AfD-Werbematerial.Foto: Daniel Karmann/dpa

Die AfD-Landtagsfraktion in NRW zieht ein als rassistisch kritisiertes Malbuch zurück, das sie am Wochenende bei einer Veranstaltung verteilt und am Dienstag noch deutlich verteidigt hatte. In einer Mitteilung hieß es am Mittwochnachmittag, das „Malbuch“ sei „leider verfrüht veröffentlicht worden“.

Die Fraktion habe sich „nunmehr intensiv mit dem Buch beschäftigt“. Die beauftragte Projektgruppe sei „über das Ziel hinausgeschossen“. Dieses sei gewesen, „durchaus problematische Vorgänge satirisch zu überhöhen“. Der Druckauftrag sei zu früh erteilt worden.

Dass das Buch verteilt worden sei, erklärt die Fraktion mit einem organisatorischen Fehler, der Fraktionsvorstand wolle sich dafür „ausdrücklich entschuldigen“.

Am Dienstag hatte die AfD-Landtagsfraktion die Kritik gegen das Buch noch als „Angriff auf die Kunst- und Satirefreiheit“ gewertet. Fraktionschef Markus Wagner war zitiert worden mit den Worten: „Da haben wir wieder einen Treffer gelandet. Kunst muss nicht nur von links kommen.“ Am Mittwoch ruderte er zurück: „Meine gestern getroffene Einschätzung war ein Fehler. Das Buch hätte in dieser Form nicht erscheinen dürfen.“ Das gesamte Projekt werden nun gestoppt.

Das umstrittene „Malbuch“ wird jetzt zurückgezogen.
Das umstrittene „Malbuch“ wird jetzt zurückgezogen.Foto: Andreas Bischof/dpa

Die Hefte mit dem Namen „Nordrhein-Westfalen zum Ausmalen“ waren bei einer Veranstaltung in Krefeld verteilt worden. In den „Malbüchern“ werden unter anderem bewaffnete Menschen unter türkischer Flagge gezeigt. Zudem war auf einer Seite ein Bild zu sehen, auf dem unter dem Banner „Wir baden das aus“ sind in einem Schwimmbad Vollverschleierte und eine Hand mit Messer zu sehen.

Der Landtag kündigte am Mittwoch an zu überprüfen, ob die AfD-Fraktion Gelder unzulässig verwendet hat. Zuvor hatte der WDR berichtet. Der Staatsschutz ermittelt nach Angaben der Polizei wegen des Verdachts der Volksverhetzung in der Sache. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, sie werde die Angelegenheit ebenfalls prüfen.

Es hatte von vielen verschiedenen Seiten Kritik an dem Malbuch gegeben, etwa aus der katholischen Kirche. Die abgebildeten Zeichnungen trügen nicht dazu bei, gegenseitigen Respekt bei kulturellen Unterschieden zu fördern, sondern wollten die Gesellschaft spalten, sagte der Leiter des Katholischen Büros in Düsseldorf, Antonius Hamers, dem Kölner Internetportal domradio.de.

SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty nannte das Ausmalbuch „rassistisch“. Über die AfD twitterte er: „Jetzt will sie schon Kinder mit ihrer menschenverachtenden Ideologie aufstacheln. Dieses Buch gehört in die braune Tonne.“

Der Leiter der Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte, Bastian Fleermann, sagte der „Bild“-Zeitung: „Das sind sehr fremdenfeindliche Bilder. Sie bedienen rassistische Klischees, sind sehr stigmatisierend.“ (Tsp/dpa/KNA)

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