Kuriosum zur Mittagszeit

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Live vom Bundesparteitag der Piraten : "Früher war mehr Lametta"

13:55: Aber auch am Streit um die Urnen wird die Wahl nicht scheitern. Sie sollen im Pressebereich so aufgestellt werden, dass sie auch von außen gesehen werden können. Bald kann's also losgehen mit der Vorstellung und Befragung der Kandidaten.

13:47 Gleich stellen sich die Kandidaten für den Bundesvorstand vor. Jetzt wird erst einmal erklärt, wie die Wahl funktioniert. Und es gibt Streit um das Prozedere: Auch im Pressebereich, der nicht für alle Piraten zugängig ist, sollen Wahlurnen stehen, damit auch die Piraten wählen können, die dort mithelfen. Dagegen protestieren manche, schließlich sei die Wahl so nicht für alle nachvollziehbar.

13:32: Jetzt kommt erstmals so etwas wie Stimmung auf. Bisher ist doch alles sehr auf Ordnung bedacht, auf Pragmatismus. Regelrecht mit angezogener Handbremse verlaufen die Reden, keiner will zuviel persönliche Meinung preisgeben. Jetzt aber lautes Grölen, langer Applaus. Denn dem Bundesvorstand wird für seine Arbeit in dem zurückliegenden Jahr gedankt und das war ein besonderes für die Partei. Und die Mitglieder spüren - es ist ein dicker Dank nötig. Und deshalb gibt es nun viel Beifall - und Geschenke: Bier für die Damen im Vorstand und Blumen für die Männer. Marina Weisband wird zusätzlich beklatscht und mit einem Plakat verabschiedet, auf dem steht: "Willkommen zurück an der Basis".

13:20: Der Bundesvorstand muss sich den Fragen der Mitglieder stellen und eine geht in Richtung Nerz und Schlömer nach dem Umgang mit ehemaligen NPD-Mitgliedern. "Rechtsextremes Gedankengut, ausländerfeindliche und antisemitische Gesinnung hat in der Piratenpartei keinen Platz", sagt Nerz. Er fügt aber an. "Wir müssen uns beim Umgang mit Mitgliedern an rechtstaatliche Grundzüge halten."

13:00: Ein Kuriosum zur Mittagszeit: Lange Schlangen bilden sich nicht nur bei der Essensausgabe, sondern auch vor dem Herren-WC, das hier - genderpolitisch vorbildlich - "WC mit Pissoir" heißt. Bei den Damen läuft's.

12:57 Zusammenfassend lässt sich zu den Satzungsfragen sagen: Im Prinzip sagen die Piraten "Ja" zur Professionalisierung, aber die Basis bleibt bockig, wenn ihr Modelle etablierter Parteien übergestülpt werden sollen. Das Scheitern des ehemaligen Bundesvorsitzenden Jens Seipenbusch, mit der Etablierung eines Beirats mehr Kontinuität in die Führung der Partei zu bekommen, ist in der Halle weiter Thema. Man brauche "keine Gremien und so'n Schnullikram", sagt Christopher Lauer. Sondern: "Mehr Liquid Feedback." Aber auch das sehen viele Piraten wiederum anders. Fazit: Alles im Fluss.

12:45 "Hallo, ich bin der anonyme Beisitzer im Bundesvorstand", sagt Matthias Schrade. Er habe es wohl als einziges Mitglied im Bundesvorstand neben Gefion Thürmer kein einziges Mal in eine Talkshow geschafft. Übrigens: Beide treten zur Wiederwahl an. Wer außerdem alles in den Bundesvorstand gewählt werden will und mit welchen Argumenten die Kandidaten für sich werben, können Sie hier sehen.

12:43 "Im Oktober ist mir die ganze Sache ein bisschen um die Ohren geflogen", sagt Marina Weisband mit Blick auf die Dynamik nach dem Überraschungserfolg der Piraten bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl. Seitdem habe sie so viel repräsentieren müssen, dass einiges liegengeblieben sei, was sie sich vorgenommen habe. "Es war nicht perfekt, aber ich bin selbst zufrieden", sagt Weisband. Die Piraten spenden ihr den bisher größten Applaus.

12:41 Rene Brosig verabschiedet sich. Der allseits geschätzte Schatzmeister tritt nicht wieder an, er hatte kurz vor dem Parteitag seine Kandidatur überraschend zurückgezogen und das mit Überlastung begründet. Ihm danken die Piraten mit einem warmem Applaus.

12:32 Unter mäßigem Applaus tritt Nerz vom Mikrofon ab. Bernd Schlömer, Vizevorsitzender der Piraten, spricht jetzt. Er wird später gegen Nerz um den Vorsitz kandidieren. Auch für Schlömer klatschen nur wenige. Mitreißend ist schließlich in der Tat nicht, was in diesem Rechenschaftsbericht vorgetragen wird.

12:29 Zum ersten Mal tritt Sebastian Nerz ans Mikrofon. Der Parteichef bekommt keine große Bühne, eine Bilanz seiner Erfolge zu ziehen, wie es wohl in anderen Parteien üblich wäre. Nur ein paar Minuten sind es, in denen Nerz für den Gesamtvorstand Rechenschaft ablegen will. "Es gab eine Umstellung der Verwaltung auf Bundesebene", sagt er. Mit Sätzen wie diesen lassen sich keine politischen Visionen entwerfen. Dafür bliebe Nerz nur seine Vorstellung als Kandidat, die später, bei der Wahl des neuen Vorstands, auf der Tagesordnung stehen wird. Und dann wird Nerz auch nicht mehr Zeit für sich beanspruchen können als jeder andere, der antritt.

12:27 Die Satzungsänderungsanträge sind durch. Jetzt geht's daran, Rechenschaft abzulegen: Der bisherige Vorstand tritt aufs Podium, darunter Bundeschef Sebastian Nerz, Marina Weisband und Vize Bernd Schlömer. Der muss aber extra noch einmal ausgerufen werden, bevor er sich auf der Bühne einfindet.

12:26 "Das geht gar nicht. Wir sind vor dem Zeitplan. Ich muss die Basis austauschen", sagt Aleks Lessmann aus dem Presseteam. In Wahrheit ist er wohl, das ist ihm anzusehen, ziemlich stolz.

12:25 Stolz auf dem Podium: Man sei dem Zeitplan sechs Minuten voraus, heißt es.

12:23 Die Basis setzt auf sich selbst: Mit großer Mehrheit lehnen es die Piraten ab, einen Beirat einzurichten. Außerdem gibt es jetzt eine Überblicksseite im Wiki der Piraten: Hier lassen sich die bisherigen Ergebnisse im Überblick ansehen.

Bilder: Diese Piraten wollen in den Bundesvorstand

Diese Piraten wollen in den Bundesvorstand
Auf ihrem Bundesparteitag wählen die Piraten eine neue Spitze. Wir haben die Kandidaten gefragt: "Warum ist der Bundesvorstand mit Ihnen besser aufgestellt als ohne Sie?" Sehen Sie hier die Antworten, von "B" wie "Barenhoff" bis "W" wie "Weiler".Weitere Bilder anzeigen
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26.04.2012 14:06Auf ihrem Bundesparteitag wählen die Piraten eine neue Spitze. Wir haben die Kandidaten gefragt: "Warum ist der Bundesvorstand mit...

12.20 Die Piraten sind keine Grünen - auch nicht in ihrer Satzung. Die Forderung nach einer Trennung von Amt und Mandat fällt durch. Es muss sich also niemand entscheiden - zwischen Parteiamt und Parlamentsmandat. Die wählenden Mitglieder müssen sich keinen Hoffnungsträger bei Vorstandswahlen für eventuelle Parlamentswahlen "aufsparen". Ansonsten heißt es weiter: Die Piraten streiten mit Satzungsänderungsanträgen um ihre Professionalisierung. Soll ein Beirat des Vorstands eingerichtet werden, soll es hauptamtliche Mitarbeiter geben?

12.10 Einmal mehr bemerkenswert: wie zügig die Piraten durch die Flut der Satzungsänderungsanträge pflügen. Rednerlisten werden schnell geschlossen, die Diskussionsatmosphäre ist pragmatisch. Zügellose Basisdemokratie sieht allerdings anders aus - es gibt hier klare Wortführer - und mit dem Berliner Piraten Philip Brechler alias "Plaetzchen" einmal mehr einen rigide durchgreifenden Vertreter der Versammlungsleitung am Mikrofon.

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