Politik : London rechnet mit langwieriger Geiselkrise

Matthias Thibaut

London - Britische Diplomaten haben von Teheran erneut die Freilassung der 15 am Freitag im nördlichen Golf festgenommenen Armeeangehörigen gefordert. Botschafter Geoffrey Adams wollte bei Gesprächen in Teheran am Sonntag insbesondere wissen, wo die 15 – darunter eine Frau – festgehalten werden. Nach Angaben des Londoner Außenministeriums sprach er mehrere Stunden mit iranischen Regierungsvertretern und forderte Garantien für die körperliche Unversehrtheit der Gefangenen sowie sofortigen Zugang für Botschaftspersonal. Die iranische Regierung ihrerseits übermittelte dem britischen Botschafter ihren Protest gegen die angebliche Grenzverletzung durch die Soldaten.

Offiziell gibt sich das Außenministerium zuversichtlich, dass die Briten bald freigelassen werden. Insgeheim fürchtet die britische Regierung aber, dass Hardliner der Islamischen Revolutionären Garden zusätzlich zum Streit um die Atompolitik gezielt eine neue Konfrontation mit dem Westen provozieren wollen. Spekulationen zufolge wurden die Briten in den berüchtigten Militärkomplex der revolutionären Garden in Teheran gebracht. Offiziell äußerte sich Teheran bisher nicht zu der Festnahme. Eine dem iranischen Präsident Mahmud Ahmadinedschad nahestehende Website forderte aber, die Briten wegen „Spionage“ vor Gericht zu stellen. Dabei müssten sie „mit schweren Strafen rechnen“. Nach Meldungen der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Irna haben die Briten „gestanden“, in „aggressiver Absicht“ in iranische Hoheitsgewässer eingedrungen zu sein. Andere iranische Quellen deuteten an, man solle die Briten als Geiseln benutzen, um Mitglieder der iranischen Al-Quds-Einheit einzutauschen, die Amerikaner im Januar im Nordirak wegen angeblicher Agententätigkeit festgenommen hatten.

Offiziell demonstrierte Teheran seine harte Linie aber mit den Reaktionen auf die Verschärfung der UN-Sanktionen gegen seine Atompolitik. EU-Chefaußenpolitiker Javier Solana wollte dem Iran unmittelbar nach dem einstimmigen Beschluss des UN-Sicherheitsrats neue Gespräche anbieten. Doch Irans Außenminister Manuschehr Mottaki sagte dem Sicherheitsrat, Teheran werde sich durch „Druck und Einschüchterung“ nicht von seinen „unveräußerlichen Rechten“ abbringen lassen.

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